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Die Universitätsstadt Bordeaux ist politisches, wirtschaftliches und geistiges Zentrum des französischen Südwestens. Ihre etwa 230.000 Einwohner nennen sich Bordelais. Berühmtheit hat die Stadt insbesondere durch ihren Wein und ihre Küche erlangt, aber auch durch ihr bauliches und kulturelles Erbe. Bordeaux ist Sitz der Präfektur des Departement Gironde und Hauptstadt der Region Aquitaine, ferner Sitz eines Erzbischofs und eines deutschen Konsulats.

Die Präfektur verwaltet auch das Arrondissement Bordeaux, das aus 33 Kantonen besteht . Gemeinsam mit 26 umliegenden Kommunen bildet Bordeaux die Communaut Urbaine de Bordeaux (CUB), einen Kommunalverband mit etwa 680.000 Einwohnern. Die Agglomeration umfasst zusätzlich einige Randkommunen und kommt so auf etwa 754.000 Einwohner. Bordeaux ist die größte Stadt im Département Gironde und der Region Aquitanien und die neuntgrößte Stadt Frankreichs. Der Ballungsraum rangiert in Frankreich an siebter Stelle.

Lage

Bordeaux liegt im südwestlichen Frankreich, ca. 45 km vom Meer entfernt, am Fluss Garonne, die sich hier wie eine Mondsichel hinstreckt, weswegen der Hafen auch "Port de la lune" heißt. Einige Kilometer flussabwärts vereinigt sich die Garonne mit der Dordogne zum über 70 Kilometer langen Mündungstrichter der Gironde. Bis in das Stadtgebiet hinein sind daher die Gezeitenkräfte zu beobachten: Bei Flut drückt das einströmende Meerwasser den Fluss zurück und hebt den Pegel um etwa einen Meter. Die entstehenden Strömungen sorgen für Strudel und ein unruhiges Oberflächenwasser. Dieses Phänomen wird in Bordeaux "mascaret" genannt.

Das linke Ufer der Garonne, auf dem sich der weitaus größte Teil des Stadtgebietes befindet, besteht aus weiten, sumpfigen Ebenen, aus denen niedrige Anhöhen ("croupes") ragen, die zum größten Teil Kies und Schotter als Untergrund aufweisen. Diese croupes weisen magere, aufgrund der Wasserdurchlässigkeit und der Fähigkeit, Wärme zu speichern, für den Weinbau hervorragend geeignete Böden auf. Die Stadt Bordeaux liegt genau zwischen dem flussabwärts gelegenen Medoc und dem sich flussaufwärts ziehenden Gebiet der Graves, die geomorphologisch sehr ähnlich sind. Berühmte Weingüter sind bis in das stark verstädterte Gebiet hinein keine Seltenheit.

Das rechte Ufer geht fast unmittelbar in ein bis zu 90 m hohes Kalkplateau über, so dass dort eine markante Steilstufe besteht. Das Plateau beheimatet in etwa 20 km Entfernung weltberühmte Weinbaugebiete wie St. Emilion, Pomerol und Fronsac, in denen einige der teuersten Weine der Welt kultiviert werden.

Klima

Bordeaux liegt am Südrand der gemäßigten Klimazone. Die sehr milden, regenreichen Winter und die langen, warmen Sommer lassen bereits subtropisch-mediterranen Einfluss spüren. Niederschlag ist zu allen Jahreszeiten häufig; mit einer Niederschlagsmenge von etwa 900 mm/Jahr werden für französische Verhältnisse relativ hohe Mengen erreicht. Diese fallen im Sommer insbesondere in Form von Wärmegewittern. Die höchste jemals in Frankreich gemessene Niederschlagsmenge innerhalb einer halben Stunde wurde im Juli 1883 aus Bordeaux gemeldet. Enorme Schäden verursachte auch ein "Doppelgewitter" im Jahre 1982, als am 31. Mai innerhalb einer Stunde das komplette Monatssoll abregnete und drei Tage später in 50 Minuten nochmals ein halbes.

Die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa 14,5°C mit einem Minimum im Januar und einem Maximum im August. Die saisonalen Temperaturverschiebungen liegen im ozeanischen Klima begründet. Gleichwohl können bei entsprechenden Wetterlagen extreme Temperaturen auftreten: Während der Hitzewelle 2003 erreichten die Höchstwerte an zwölf aufeinander folgenden Tagen mindestens 35°C, davon an einem Tag 41°C.

Bordeaux hat überdurchschnittlich viele Sonnenstunden vorzuweisen. Mit etwa 2.000 Sonnenstunden pro Jahr übertrifft Bordeaux die meisten französischen Regionen mit Ausnahme des Mittelmeerraumes und einzelner Küstengebiete am Atlantik.

Das Mikroklima von Bordeaux und Umgebung ist eine der Ursachen für die hervorragenden Bedingungen für den Weinbau: Die Stadt und die umliegenden Anbaugebiete sind durch einen breiten Streifen Pinienwaldes (Forêt des Landes) vor den Seewinden geschützt. Zudem sorgt die Gironde für einen temperaturausgleichenden Effekt, da dieses Gewässer wie eine gigantische Batterie tagsüber gespeicherte Wärme nachts abgibt und außerdem breitflächig die Sonneneinstrahlung in das Umland reflektiert.

Geschichte

Bordeaux geht aus einer keltischen Siedlung aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. hervor und wird unter den Römern unter dem Namen Burdigala zur Hauptstadt der Provinz Aquitania. Nach einer langen Blütezeit setzen eine Reihe von Plünderungen und Verwüstungen im Gefolge der Völkerwanderung dem Wohlstand ein Ende. Im frühen Mittelalter gerät die Stadt zunächst unter fränkische Herrschaft. Ein Wendepunkt tritt ein, als Eleonore von Aquitanien durch die Heirat mit Henri Plantagent den französischen Südwesten zu englischem Lehen macht. Unter englischer Herrschaft erlebt Bordeaux eine zweite wirtschaftliche Blüte. Die Rückkehr nach Frankreich wird von den Bürgern, viele von ihnen mächtige und reiche Kaufleute, keineswegs begrüßt, da hierdurch die alten Absatzmärkte in England fortfallen. 1494 wird ein Parlament eingerichtet, das dem Bürgertum eine beschränkte Selbstverwaltung ermöglicht. Einen Wiederaufstieg erlebt Bordeaux im 18. Jahrhundert durch den florierenden atlantischen Seehandel. In dieser Zeit erhält die Stadt weitgehend ihr heutiges Gesicht und viele Prachtbauten werden errichtet. Zur Zeit der öFranzsischen Revolution wird Bordeaux Hauptstadt des Départements Gironde. Napoleon lässt kurz darauf die erste Brücke über die Garonne bauen.

1870/71 sowie im Ersten und Zweiten Weltkrieg zieht sich die französische Regierung vor den heranrückenden deutschen Truppen aus Paris nach Bordeaux zurück. Zwischen dem 1. Juli 1940 und dem 27. August 1944 ist Bordeaux von deutschen Wehrmachtstruppen besetzt, die hier einen wichtigen U-Boothafen errichten. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts unterliegt Bordeaux einem tief greifenden Strukturwandel, als versucht wird, die Stadt mehr auf die Industrie auszurichten.

Während der neunziger Jahre wird sich Bordeaux seines historischen Erbes bewusst, so dass das historische Zentrum heute wieder in altem Glanz erstrahlt. Wirtschaftliche Probleme bleiben jedoch in einigen Bereichen bestehen.

Allgemeines

Das Selbstbild der Bordelais ist ausgesprochen regional geprägt: Als traditionsreiche Stadt mit langer geistig und politisch eigenständiger Tradition ist man hier stolz auf seine Herkunft und die besondere äLebensqualitt. Durch die enorme Ausstrahlungskraft der Stadt in ihr großflächiges, relativ dünn besiedeltes Umland ist die regionale Bedeutung nie bestritten worden. In Bordeaux finden sich daher viele Anhänger einer betont föderalen Einstellung und begegnen der Hauptstadt Paris und ihrer Einwohner mit einer gewissen Skepsis. Eine Rivalität besteht zudem mit Marseille, der anderen großen südfranzösischen Hafenstadt, was sich aber heutzutage zumeist nur noch bei Fußballderbys bemerkbar macht. Traditionell freundschaftliche Beziehungen pflegt Bordeaux mit Toulouse und Lyon.

Ursprünglich wurde in Bordeaux im Alltag ein okzitanischer Dialekt gesprochen, das so genannte Patois. Dieses ist heute vollständig zu Gunsten des Französischen aufgegeben worden. Zurück bleibt ein typischer, "südwestlicher" Akzent. Dieser verzichtet auf die Nasalaussprache oder deutet sie nur an. Zudem werden die Vokale oft heller und kürzer als im Standardfranzösischen ausgesprochen, wodurch sich auch das Sprachtempo erhöht.

Wirtschaft

Seit jeher ist die Wirtschaft von Bordeaux untrennbar mit dem Wein und dem Hafen verbunden. Auch heute spielen Handel, Verkehr und Dienstleistungen die entscheidende Rolle in der lokalen Wirtschaft. Dagegen ist Bordeaux erst spät zu einem industriellen Standort geworden und schon kurze Zeit später in eine Strukturkrise geraten. Nach deren Bewältigung sind dort überwiegend Zukunftstechnologien angesiedelt worden. Trotzdem ist die Arbeitslosenquote mit 11,2% im ANPE-(Arbeitsamts-)Bezirk und Besorgnis erregenden 19,7% im Stadtgebiet die höchste der Region.

Bordeaux ist eine Stadt, die nicht durch heraus ragende Einzelbauten, sondern durch die grandiose, fast vollständig erhaltene Anlage der Stadt besticht, die ihr historisches Bild bis heute erhalten hat. Darin ist sie Städten wie Amsterdam oder Lissabon ähnlich. Insbesondere im historischen Zentrum, aber auch darüber hinaus bietet sie immer wieder überraschende Eindrücke, sei es durch die spätbarocke Anordnung der Straßen und Plätze oder durch die beeindruckende Harmonie ihrer Häuserzeilen, durch Parks und Gärten. Die "Fassade" zur Garonne ist weltberühmt: Auf mehreren Kilometern ziehen sich hohe, schmale Bürgerhäuser das Ufer entlang, unterbrochen durch einzelne Repräsentationsbauten. Dahinter ragen die Dächer von Kirchen und alten Stadttoren empor. Das historische Ensemble gilt als das größte, geschlossenste und schönste von ganz Frankreich wird als Kulisse für unzählige Film- und Fernsehproduktionen genutzt. Seit 1998 stehen einzelne Gebäude unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes.

Politische Traditionen

Bordeaux ist traditionell eine Hochburg des Liberalismus französischer Prägung. Die Erfahrungen durch den schon im Mittelalter hier weit entwickelten Freihandel haben bewirkt, dass die schon früh sehr selbstbewussten Bürger ihre Interessen formulierten und sogar unter feudalen oder absolutistischen Systemen auch durchsetzten. Galt diese Einstellung vor der französischen Revolution noch als fortschrittlich, wurde sie bald darauf in Misskredit gebracht, denn mit der freiheitlichen Einstellung bourgeoiser Art war auch das bedingungslose Eintreten für Privateigentum und das Streben nach individuellem Wohlstand verbunden.

Trotz mancher Wandlungen in der politischen Landschaft ist Bordeaux in seiner Mehrheit dieser Tradition treu geblieben: Während Aquitanien und hier besonders das Département Gironde eine Hochburg der Sozialisten geblieben ist, hat sich Bordeaux selbst seit Mitte des 20. Jahrhunderts für bürgerliche Ratsmehrheiten entschieden und seine Bürgermeister immer aus den Parteien der Konservativen oder Wirtschaftsliberalen gewählt.

Verkehr

Bordeaux ist seit jeher eine sehr verkehrsgünstig gelegene Stadt. Bereits zur Römerzeit kreuzten sich hier die Reichsstraßen und der Hafen gehörte zu den größeren seiner Epoche. Im Mittelalter verlief eine der Hauptrouten des Jakobswegs durch Bordeaux. Auch das napoleonische Straßensystem hatte in der Stadt einen seiner Knotenpunkte.

Luftverkehr

Flugverbindungen gewinnen in Bordeaux zunehmend an Bedeutung. Der Flughafen befindet sich in Mérignac im Westen des Ballungsraums und kann mit einem Zubringerbus erreicht werden. In den neunziger Jahren hat der Flughafen seine Kapazitäten bedeutend erweitert, indem ein neues Abfertigungsgebäude errichtet wurde. Über Mérignac werden auch Güter abgefertigt.

Personennahverkehr

Der ÖPNV hat sich seit einiger Zeit gemausert: Durch die TBC werden zahlreiche Bus- und seit 2003 wieder Sraßenbahnlinien (Linie A, B, C) betrieben. Die Straßenbahnen verfügen dabei über ein neu entwickeltes System, durch welches in der Innenstadt die Oberleitungen aus ästhetischen Gründen in den Boden verlegt werden konnten. Die Entscheidung fiel, als die Buslinien im Dauerstau nicht mehr vorwärts kamen und der Bau einer U-Bahn aus Kostengründen abgelehnt wurde. Aufgrund der fortdauernden Bauarbeiten an den Schienenverläufen kann es vor allem an den Ausfallstraßen zu erheblichen Staus kommen.

 

 

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