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Kairo ist die Hauptstadt von Ägypten und die grösste Stadt der arabischen Welt. Von Ägyptern wird die Stadt oftmals auch einfach mit dem Landesnamen - ägyptisch - arabisch Masr - bezeichnet. Kairo hat 7.734.602 Einwohner in der eigentlichen Stadt und ist mit 17.099.364 Einwohnern in der Agglomeration (Stand jeweils 1. Januar 2005) eine der größten Metropolregionen der Erde. Sie ist das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Ägyptens und des Nahen Ostens. Die Stadt ist Sitz der ägyptischen Regierung, des Parlaments, aller staatlichen und religiösen Zentralbehörden sowie zahlreicher diplomatischer Vertretungen. Sie besitzt zahlreiche Universitäten, Hochschulen, Museen und Baudenkmäler. Die Altstadt von Kairo ist UNESCO - Weltkulturerbe und ein Ensemble islamischer Baukunst.
Die Stadt hat eine Fläche von 214 Quadratkilometern und liegt im Nordosten des Landes auf dem rechten Nilufer durchschnittlich 68 Meter über dem Meeresspiegel. Sie umfasst auch die beiden Inseln Gezīira mit dem Stadtteil Zamalek) und Roda. Ihr gegenüber liegt am westlichen Ufer Gizeh.
Nördlich der Stadt erstreckt sich bis zum Mittelmeer das Nildelta. Im Westen befinden sich die Pyramiden von Gizeh. Im Süden liegt das alte Memphis. Die geografischen Koordinaten von Kairo sind 30° 03' nördlicher Breite und 31° 15' östlicher Länge.
Innenstadt
Die läßt sich grob in einen traditionellen und einen modernen Teil einteilen. Das traditionelle Kairo liegt abseits des Nils vor der Zitadelle und dem Berg Muqattam . Es umfasst hauptsächlich das islamische Kairo rund um die Azhar- und andere Moscheen. Des Weiteren sind hier die Wohnviertel nördlich, östlich und südlich des Viertels um die Azhar-Moschee zu nennen, so etwa Bāab el-Chalq, Darb el-Ahmar, el-Mūuskīi oder Sayyida Zeinab, es-Sayyeda Zēenab).
Neben den Ausgrabungen von al-Fustat im Süden liegt das koptische Viertel oder Alt-Kairo, hocharabisch Misr al-qadīima, ägyptisch-arabisch Masr el-edīima). Eine Besonderheit ist die sogenannte "Totenstadt" südöstlich des islamischen Viertels, eine Nekropole, die bewohnt ist und sich heute (fast) wie ein normales Stadtviertel gibt.
Das moderne Kairo besteht aus den Geschäftsvierteln, die vom Mīidāan et-Tahrīir, dem Mīidāan el-ŌOperāa , dem Ramses-Bahnhof Mahattat Ramsīis) und dem Nil eingegrenzt werden. Westlich davon befindet sich das Viertel Zamalek (ez-Zamāalek) auf der Insel Gezīira, südwestlich Garden City, wo viele Botschaften untergebracht sind.
Kairo befindet sich in der subtropischen Klimazone. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 21,7 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 29 Millimeter im Mittel.
Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 28 Grad Celsius, der kälteste der Januar mit 13,9 Grad Celsius im Mittel. Etwas Niederschlag fällt nur zwischen November und März mit durchschnittlich vier bis sechs Millimeter.
Kairos Ursprünge liegen in mehreren Siedlungen. Im heutigen Stadtgebiet lag der Ort Cheri-aha, wo nach der ägyptischen Mythologie die Götter Horus und Seth einander bekämpften. Die altägyptische Siedlung am Ostufer des Nil wurde 100 n. Chr. von den Griechen Memphis genannt und später von den Römern zur Festung ausgebaut. 641 eroberten die Araber die römische Festung. Nördlich davon wurde von Amr ibn al-As im Jahre 643 ein Lager (Fustat) gegründet, das sich allmählich zu einer Stadt entwickelte. Beide Siedlungen wuchsen an der Stelle der heutigen Altstadt von Kairo zusammen.
Nachdem diese Stadt durch Brände teilweise zerstört worden war, errichteten die Abbasiden eine weitere Siedlung am Nil. Als die Fatimiden unter Dschawar im Jahre 969 Ägypten eroberten, richteten sie in der Stadt ihr Hauptquartier ein. Dschawar, ein ehemaliger sizilianischer Sklave, der zum Islam übergetreten war, gründete an dieser Stelle im gleichen Jahr eine neue Residenzstadt und nannte sie al-Qāahira, "die Siegreiche". Das ist der bis heute gültige Name für die Stadt. Unter den Fatimiden wurde der Komplex der Azhar-Moschee gebaut, in dem sich später die sunnitische Lehranstalt und heutige Al-Azhar-Universität befindet.
Während der Herrschaft der Mamluken zwischen 1250 und 1517 wurde Kairo zum bedeutendsten Zentrum islamischer Kultur. 1517 wurde die Stadt von osmanischen Streitkräften erobert, deren Regierungszeit bis ins späte 18. Jahrhundert andauerte. 1798 übernahmen französische Truppen unter Napoleon Bonaparte (1769-1821) während dessen ägyptischer Expedition die Kontrolle über Kairo. 1801 kam die Stadt wieder unter osmanische Herrschaft. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Auslandsverschuldung Ägyptens und die Schwäche des Osmanischen Reiches einen zunehmenden europäischen Einfluss in Kairo zur Folge.
Ismail Pasha, der zwischen 1863 und 1879 regierte, ließ in der Stadt zahlreiche Gebäude errichten und nahm die Eröffnung des Sueskanals im Jahre 1869 zum Anlaß, Kairo den europäischen Mächten als blühende Metropole zu präsentieren. Der überwiegende Teil der Entwicklung wurde jedoch über Auslandsanleihen finanziert, wodurch besonders Großbritanniens Einfluß zunahm. Es bestimmte zunehmend die Politik bis zur Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.
Zwischen den Weltkriegen wuchs die Einwohnerzahl Kairos rasch an und hatte bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges die Zweimillionen Grenze erreicht. Das Wachstum der Bevölkerung hielt auch in der Folgezeit an. Der einsetzende Bauboom veränderte das Stadtbild durch hoch aufragende Wohn-, Gewerbe- und Regierungsgebäude. Am 22. März 1945 wurde in Kairo die Arabischen Liga gegründet. Als deren Sitz und einer der Ausgangspunkte für den Friedensprozeß im Nahen Osten nahm die internationale Bedeutung der Stadt zu.
Die Weltbevölkerungskonferenz der Vereinten Nationen, die im Jahre 1994 in Kairo abgehalten wurde, steigerte das Ansehen der ägyptischen Hauptstadt weiter. Thema dieser Konferenz waren Probleme, mit denen auch Kairo konfrontiert ist. Hierzu zählen vor allem Überbevölkerung, Armut und die teilweise katastrophale hygienische und ökologische Situation. In der jüngsten Vergangenheit verübten islamische Fundamentalisten in Kairo wiederholt Anschläge auf ausländische Besucher, bei denen mehrere Menschen getötet wurden. Ziel dieser extremistischen Gruppierungen ist es, Touristen von Reisen nach Ägypten abzuhalten, um die innenpolitische Stabilität des von Devisen abhängigen Landes zu brechen.
Einwohnerentwicklung
Die Einwohnerzahl Kairos stieg während der vergangenen Jahrzehnte rapide. Sie hat sich seit Mitte der 1960er Jahre bis heute verdoppelt. Ein Grund hierfür ist neben der hohen Geburtenrate auch die zunehmende Landflucht. Um das ständige Bevölkerungswachstum auffangen zu können, wurden um Kairo herum bereits mehrere Satellitenstädte errichtet. Durch die eng gezogenen Stadtgrenzen ist die Bevölkerungszunahme inzwischen deutlich abgeschwächt, diese findet vor allem in den zahlreichen Vororten statt, die inzwischen 9,4 Millionen Einwohner aufweisen. In der Agglomeration Kairo leben insgesamt 17,1 Millionen Menschen (Stand jeweils 1. Januar 2005).
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1877 handelt es sich um Schätzungen, von 1882 bis 1996 um Volkszählungsergebnisse und 2005 um eine Berechnung. Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf die eigentliche Stadt ohne den Vorortgürtel. .
Kairo ist überwiegend von Wüstengebiet umgeben, im Norden wird sie vom Delta des Nil begrenzt. Zum Stadtgebiet zählen auch eine Reihe von Inseln, die größte davon ist die zentral gelegene al-Gesira, auf der sich unter anderem das 1869 eröffnete Opernhaus und der 187 Meter hohe Fernsehturm befinden. Die Stahlbetonbauweise des Turms errinnert in seiner Bauweise an eine Lotusblume. Der Fernsehturm wurde 1961 fertiggestellt und besitzt eine für den Publikumsverkehr geöffnete Aussichtsplattform. Mehrere Brücken verbinden die Insel al-Gesira mit den gegenüberliegenden Flussufern.
Das Zentrum Kairos bildet der Tahrirplatz, an dem sich auch das Gebäude der Arabischen Liga, die Oman-Makran-Moschee und ein Busbahnhof befinden. Das Stadtbild wird durch viele historisch bedeutende Bauwerke geprägt. Von den mehreren hundert Moscheen zählen die im 9. Jahrhundert errichtete Ibn-Tulun-Moschee sowie die Azhar- und die Al-Hakims-Moschee (beide aus dem 10. Jahrhundert) zu den bekanntesten.
Die Zitadelle im östlichen Teil der Stadt wurde im Jahre 1176 vom Sultan Salahuddin al-Ayoubi auf einer Anhöhe erbaut. Ihre verzierten Gebäude sind ein Teil der Silhouette von Kairo. Die Mohammed-Ali-Moschee ist die bemerkenswertere der beiden Moscheen in der Zitadelle. Sie besitzt mehrstöckige Kuppeln und ein Doppelminarett, das aus zwei der ältesten der berühmten "Tausend Minarette" der Stadt besteht.
In der Altstadt von Kairo befinden sich sehenswerte Stadttore; sie sind Überreste einer ehemaligen, die Stadt umgebenden Befestigungsanlage. Von den ursprünglich acht Stadttoren sind jedoch nur noch drei erhalten (Bab al-Fotouh, Bab an-Nasr und Bab Zeuela). Die Märkte (Suqs), von denen sich zahlreiche auf bestimmte Waren wie Gewürze, Stoffe oder wertvolle Metalle spezialisiert haben, verbinden heutiges Wirtschaftsleben mit traditionellen Formen des Handels und Kunsthandwerkes.
Außerhalb von Alt-Kairo, das von alten Wohnvierteln und engen Gassen geprägt wird, breitet sich das moderne Kairo mit Hochhäusern und breiten Straßenzügen aus. Die islamische Altstadt von Kairo wurde von der UNESCO im Jahre 1979 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
Zu den vielen Parks in Kairo gehört der gepflegte "Gabalaya-Park". Er wurde im 19. Jahrhundert angelegt und ist heute eine grüne Oase im Verkehrs-Chaos der Stadt. Sehenswert sind die in labyrinthartigen Grotten gehauene Aquarien mit Nilfischen. Die Anlage ist auch ein beliebter Picknick-Platz für Einheimische und Touristen.
Der größte Zoologische Garten Afrikas befindet sich neben der Universität von Kairo in Gizeh und wurde bereits im Jahre 1891 eröffnet. Er beherbergt rund 400 verschiedene Tierarten, darunter die mit 260 Jahren angeblich älteste Schildkröte der Welt. Leider ist die Tierhaltung in zahlreichen Fällen nicht artgerecht. Der Zoo ist vor allem Freitags ein beliebtes Picknick- und Ausflugsgebiet der Einwohner Kairos.
"Dr. Ragab´s Pharaonic Village" ist ein pharaonisches "Disneyland", gelegen auf einem 150.000 Quadratmeter großen Gelände mit Papyruspflanzen gesäumten Wasserwegen. Dort sind die genauen Nachbildungen alter ägyptischer Bauten zu besichtigen. Junge Ägypter zeigen in alten Trachten, mit Werkzeugen und Ackergerät im Stile ihrer Vorfahren das Leben und Arbeiten von damals. Ein Höhepunkt der Attraktionen ist die Nachbildung des Grabes von Tutenchamun.
Der "Dream Park" an der Oasis Road in 6th of October City, einem Vorort Kairos, ist einer der größten Themenparks im Mittleren Osten für die ganze Familie, mit zahlreichen Fahrgeschäften, Attraktionen, Shows und über 20 Restaurants.
Kulinarische Spezialitäten
Kairo beherbergt zahlreiche Restaurants, die ägyptische wie auch internationale Küche anbieten. Die einheimische Küche wartet mit einer besonders großen Auswahl an Vorspeisen (mezze) auf, die dem Gast auf kleinen Tellern serviert wird, und nach Landessitte mit dem Fladenbrot (aiesh balladi) gegessen wird. Unter den mezze finden sich häufig auch "tamaya" (Gemüsefrikadellen) und "ful" (Bohnenbrei), für einen Großteil der weniger Verdienenden Ägypter tägliches Frühstück und wichtigste Hauptmahlzeit.
Das Fleisch von Rind, Huhn und Lamm (Schwein ist den Muslimen sowie den Kopten verboten) wird überwiegend auf dem offenen Feuer gegrillt oder im Ofenrohr gebrutzelt wie Hackfleischbällchen (kofta) und "kebab". Empfehlenswert ist auch die Fischküche des Mittelmeeres und des Roten Meeres, in der Barakudas, Garnelen, Hummer, Krabben und Tintenfische je nach Küstenregion verschieden zubereitet werden. Eine Spezialität der Mittelmeerküste ist der stark gepökelte "fesich", ein Fisch, der sehr schmackhaft ist.
Die Hauptstadt besitzt einen internationalen Flughafen (im Stadtteil Heliopolis). Das ägyptische Niltal kann von Alexandria im Norden bis Assuan im Süden mit der Eisenbahn befahren werden. Ansonsten ist das gesamte Land von Kairo aus mit Fernbussen zu erreichen. Rund zwei Millionen Autos fahren in der sehr dicht besiedelte Stadt. Probleme bereiten die täglichen Staus und die hohe Umweltverschmutzung.
Am 12. August 1896 wurde in der Stadt die erste Straßenbahnstrecke eröffnet. Die Cairo Transport Authority betreibt in Kairo und Heliopolis auf einer Länge von 30 Kilometern zwei miteinander verbundene meterspurige Straßenbahnnetze. Die 2.600 Omnibusse der Gesellschaft befördern pro Jahr 1,3 Milliarden Fahrgäste. Die Busse verkehren auf 450 Linien mit einer Länge von 8.460 Kilometern. Der erste Trolleybus fuhr 1950 in der Stadt. Nach 31 Jahren Betrieb wurde dieser am 22. Oktober 1981 eingestellt.
Der erste Streckenabschnitt der Metro wurde am 26. September 1987 eingeweiht. Heute fährt sie auf zwei Linien mit einer Länge von 61,5 Kilometern:
· Linie 1 führt in Nord-Süd-Richtung von New El Marg
Sie besteht aus zwei Vorortlinien, die bis 1989 durch einen Innenstadttunnel miteinander verbunden wurden. Linie 2 ist im Gegensatz dazu eine Voll-U-Bahn: sie wurde in den 1990er Jahren gebaut und verläuft in der Innenstadt unterirdisch, in den Außenbezirken oberirdisch. Ein Tunnelabschnitt verläuft unter dem Nil. Die Linienführung ist ebenfalls Nord-Süd - von Shubra nach Giza Suburban - jedoch verläuft sie in der Innenstadt in Ost-West-Richtung. Sie kreuzt zweimal die Linie 1 (Stationen Linie 3 ist in Planung. Sie verläuft in Ost-West-Richtung und soll im Nordosten den Flughafen anbinden. Auch hier ist eine Untertunnelung des Nils geplant.
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