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Marseille ist die wichtigste französische und die drittgrößte europäische Hafenstadt. Sie liegt am Golfe du Lion, einer Mittelmeerbucht. Die Stadt, deren Einwohner sich Marseillais nennen, ist Hauptstadt des Departements Nr. 13, Bouches-du-Rhone in der Region Provence-Alpes-Cote d'Azur. Marseille ist mit etwa 900.000 Einwohnern nach Paris die zweitgrößte Stadt Frankreichs; um diese Position streiten sich allerdings (seit vielen Jahren) die Städte Lyon und Lille. Das Ballungsgebiet Marseille hat, wenn man die unmittelbar angrenzenden Städte wie Allauch, Aubagne und Penne-sur-Huveaune hinzuzählt, ungefähr 1,2 Million Einwohner.

Um 600 v. Chr. gründeten ionische Griechen aus Phäoka in Kleinasien eine Kolonie an der Mündung der Rhone und nannten sie Massalia oder Massilia, das heutige Marseille. Einer Legende nach ist die Stadt wie folgt entstanden:

Nachdem Protis an Land gegangen war, um sich mit der schönen Ligurerin Gyptis zu vereinen, ward Marseille gegründet. Protis war Phäake, und die Phäaken, dieses Seefahrervolk von der Insel Scheria, hatten nicht nur einen gastfreundlichen König namens Alkinoos, der den schiffbrüchigen Odysseus aufnahm, um ihn dann in seine Heimat Ithaka zu geleiten. Er hatte auch eine schöne Tochter. Nausikaa war es, die den gestrandeten Odysseus fand und ins Haus ihres Vaters führte. Marseille wurde also von der Liebe gegründet.

Um das Jahr 545 erfolgte - nach der Flucht aus Phokaia durch Harpagos (einen Meder bzw. Perser, Statthalter des Königs Kyros) - ein erneuter Zuzug aus der Mutterstadt. (Hdt. 1,163,1-1,165,4, Solin. II,77, Liv. V,34,7-8).

481 fiel die Stadt an die Westgoten, 508 an die Ostgoten, 536 an die Franken und 879 an Niederburgund. Nachdem die Sarazenen sie zerstörten, wurde die Stadt im 10. Jh. wiederaufgebaut und den Vicomtes de Marseille unterstellt. Zwischen 1216 und 1218 wurde Marseille zur selbstständigen Republik und schließlich 1481 mit Frankreich vereinigt.

1720 und 1721 wütete die Pest. Am 9. Oktober 1934 fielen der jugoslawische König Alexander I. und der französische Außenminister Louis Barthou vor der Börse einem Mordanschlag zum Opfer. 1943 wurde ein Großteil der Altstadt von deutschen Truppen abgerissen. Den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Auguste Perret. 1993 erschütterte ein Skandal die Stadt, als der damalige Präsident des Fußballklubs Olympique Marseille, Bernard Tapie, wegen Bestechung zum Gewinn der Landesmeisterschaft eine Haftstrafe antreten musste.

Südlich des Stadtkerns befindet sich die von Henri-Jacques Esprandieu entworfene Notre-Dame de la Garde, erbaut in den Jahren 1853 bis 1864. Sie befindet sich auf einem 160 m hohen Kalkfelsen und ist neben dem vor dem Hafen liegenden Chateau d'If das Wahrzeichen von Marseille.

Der im Zentrum gelegene Alte Hafen Vieux Port bzw. am Quai des Belges gelegene Fischmarkt ist entgegen den Berichten von Reisebüros und Journalisten nicht der zentrale Treffpunkt der Stadt; es sei denn, man bewertet die Tatsache als entscheidend, daß von dort aus die (die kleinen, also alltäglich versorgenden oder die touristischen) Schiffe zu den Inseln hinausfahren: in Richtung der Î’les dFrioul, nach ’Chateau dIf oder nach Cassis. Hier findet zwar tatsächlich und täglich ein Treffen zwischen Hausfrauen und Fischern bzw. deren fischverkaufenden Frauen insofern statt, als die einen einkaufen und die anderen verkaufen (vor allem an Samstagen, da an Wochenenden in der Familie gegessen wird), doch es sind höchstens vier bis fünf Tische, manchmal vielleicht auch sechs aufgebaut, an denen frische Mittelmeerfische verkauft werden. Die Marseillais kaufen ihren Fisch sonst lieber im Supermarkt (frisch aus dem Atlantik oder sonstwoher, möglicherweise am Markt, an dem längst nicht mehr nur die örtlichen Araber einkaufen, in der Rue Longue des Capucins, wo es nahezu alles und höchst preiswert gibt) oder aber die Meeresfrüchte (Muscheln, Schnecken usw.) bei Toinou am Cours Saint-Louis. Unweit des Vieux Port, etwa zur Mitte der Strecke zum Cours Saint-Louis hin, leicht schräg gegenüber der Place du Général de Gaulle (ein paar Meter von der Stadtinformation Office du Tourisme) befindet sich auch die Börse (Bourse de Marseille) aus den Jahren 1852 bis 1860.

Vom Alten Hafen aus zieht sich die etwa ein km lange Canebire (provenzal. Canabiero = Cannabis - Hanf wurde hier gehandelt, daher der Name) – eine ehemalige Prachtstraße des 19. und anfänglichen 20. Jahrhunderts, endgültig verbleichend während der sechziger und siebziger Jahre, zur Église Saint-Vincent de Paul, der Kirche der Reformierten, hin. An ihrem Ende, nordöstlich der Kirche findet sie mit dem Boulevard Longchamp' ihre Fortsetzung, der zum Palais Longchamp mit seiner Brunnenanlage führt. Die Canebière ward von stattlichen Geschäftshäusern und Cafes gesäumt und früher oft mit der Pariser Avenue des Champs-Elyses verglichen. Die einstige Prachtstraße hat sich jedoch heute in eine unglaublich lärmende und stinkende Rennstrecke gewandelt, ohne den Charme von einst. Derzeit ist man seitens der Stadt bemüht, wieder ein wenig der alten Zeit zu rekonstruieren, etwa am Noailles, einem ehemaligen Hotel der einstigen Pracht, durchaus auch an anderen Orten. Nordöstlich von Noailles (auch seitlich gelegene Metro-Station) besteht offenbar kaum Interesse an Rekonstruktionsarbeiten.

Das nördlich des Alten Hafens gelegene, zu fuße des Alten Hafens gelegene Quartier du Panier ist – entgegen ständig wiederholter Verlautbarungen – nicht abgerissen! Das von den Einheimischen knapp Panier genannte, das 2. Arrondissement, ist das alte Marseille, das hinter dem barocken Rathaus Mairie/Hotel de Ville liegt. Es lebt – in Form des klassischen Marseille: einer Ur-Bevölkerung, die sich im Laufe der Jahrhunderte bzw. -tausende aus Menschen zusammensetzte bzw. -setzt, deren Abstammung aus dem gesamten Mittelmeerraum erfolgt ist. In den Büchern von Jean-Claude Izzo, dem einheimischen Journalisten und Schriftsteller, wird dies immer wieder sacht erwähnt.

 

 

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