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Die Republik Niger (auch: der Niger) ist ein Staat in Westafrika. Er grenzt im Westen an Mali und Burkina Faso, im Norden an Algerien und Libyen, im Osten an Tschad und im Süden an Nigeria und Benin.

Zwei Dritttel des Staatsgebietes der Republik Niger befindet sich in der Sahara. Nur der schmale Streifen des Staatsgebietes, der sich entlang der nigerianischen Grenze hinzieht, befindet sich in der so genannten Sahelzone (Sahel = Arab.: Ufer (der Wüste)). Dieser Streifen befindet sich am nördlichsten Rand der Trockensavanne.

Bevölkerung

Die große Mehrheit der Nigrer bekennt sich zum Islam (94 ? %), der Rest der Bevölkerung teilt sich in Christen und Anhänger indigener Religionen.

75 ? % der Bevölkerung sprechen Hausa als Erst- oder Zweitsprache, weitere Sprachen neben Französisch sind Songhai-Dscherma, Fulbe, Tamaschagh, Kanouri und andere.

Die Bevölkerung wächst jährlich um 3,3 ? %, 76 ? % der Männer und 91  ?% der Frauen sind Analphabeten.

Die Lebenserwartung betrug im Jahr 2001 46 Jahre.

Politik

Die Verfassung ist nach dem Vorbild Frankreichs als semi-präsidentielles System mit Direktwahl des Präsidenten (alle 5 Jahre) gestaltet.

Die Präsidenten der Republik Niger:

· 1958–1974 Hamani Diori

· 1974–1987 Seyni Kountch

· 1987–1999 Ali Saibou

· seit 1999 Tandja Mamadou

Im Parlament (Assemblée Nationale) verfügen die Parteien Mouvement National de la Societé de Développement (MNSD) (38 Sitze) und Convention Démocratique et Sociale (CDS) (17 Sitze) zusammen über eine Mehrheit der 83 Sitze.

Wirtschaft

Die nigerische Volkswirtschaft erreichte 2001 ein Bruttoinlandsprodukt von knapp 1,7 Milliarden Euro, das entspricht einer Wirtschaftsleistung von etwa 150 Euro pro Kopf der Bevölkerung. 40 % des Volkseinkommens stammen aus der Landwirtschaft, während der industrielle Sektor nur etwa 14 % der Gesamtleistung ausmacht. Wichtigstes Exportgut ist Uran, dessen Ausfuhr 32 % der Gesamtexporte generiert, wichtigster Handelspartner bleibt Frankreich.

Landwirtschaft

In der nigerischen Sahara-Region ist nur in Oasen, etwa im Air-Gebirge, Bewässerungsfeldbau möglich. Nur der schmale Streifen entlang der nigerianischen Grenze befindet sich in der Sahelzone und ist somit für den Regenfeldbau geeignet. Die Regenzeit ist extrem kurz, knapp drei bis vier Monate. Darüber hinaus ist die Regenzeit durch eine hohe Variabilität der Regenfälle gekennzeichnet: Regional können ebenso stark unterschiedliche Regengüsse niedergehen, wie die zeitliche Verteilung der Regenmenge während der Regenzeit sehr ungleichmäßig sein kann.

Anbauprodukte sind hauptsächlich verschiedene Hirsearten sowie Bohnen und Erdnüsse. Nur in Trockenflusssenken werden im Bewässerungsanbau Gemüsearten, Henna, Capsicum-Arten, Tabak u. ä. angebaut. Mobiles Kapital sind Kleinviehherden, die in Notzeiten zunächst vermarktet und dann verzehrt werden.

Produktionsmittel sind heute der individualisierte Besitz an Grund und Boden sowie das durch den gemeinsam wirtschaftenden Haushalt erworbene Saatgut, das unter Umständen in Kooperativen hinzugekauft werden muss. Dies geschieht, wenn das Saatgut wegen Nahrungsknappheit verzehrt statt ausgebracht wird. Bei staatlichen Kooperativen oder reichen Händlern verschulden sich die Bauern z. T. auch durch den Kauf von Insektiziden und Düngemittel.

Die Arbeitsmittel sind die einer weitgehend nicht mechanisierten Landwirtschaft: die kurzstielige Hacke und ein langstieliges Jäteisen (Kanuri: ashasha). Ochsengezogene Pflüge befinden sich in der Regel im Besitz reicher Bauern, die meist identisch mit der einheimischen Aristokratie sind. Der überwiegende Teil der Bauern hat hierzu keinen Zugang.

Die vorkoloniale Gesellschaftsstruktur sieht eine gemeinschaftliche Nutzung der Böden durch eine Großfamilie, ein gandu (Hausa: Haushalt) vor. Individueller Besitz an Grund und Boden war weitgehend unbekannt. Seit der Kolonialzeit hat sich durch die Konsolidierung familiärer Besitzansprüche und einer zunehmenden Vermarktung von Grund und Boden ein individueller Besitz von Boden etabliert. Der Bevölkerungsdruck führte zu Landknappheit. Erbteilung führte zur Fragmentierung von Landbesitz. Individuelle Parzellen können heute eine (Klein-)Familie kaum noch ernähren.

Ein weiteres Problem stellt die großflächige Abholzung zur Gewinnung von Brennmaterial dar, sowie das fast vollständige Abtragen von Pflanzenmaterial nach der Ernte, so dass Ackerflächen zum einen vor der Sonneneinstrahlung nicht mehr geschützt sind und zum anderen der Düngungseffekt durch verrottendes Pflanzenmaterial ausbleibt. Die Böden verarmen.

Die lange Trockenzeit macht ein Vorratshaltungssystem notwendig, das in vorkolonialer Zeit sozial und religiös sanktioniert war. Diese Vorratshaltung war eng an die vorkoloniale Struktur der Haushalte, ihrer Arbeits- und Konsumptionsstruktur gebunden. Mit der Fragmentierung der Haushalte und der Individualisierug von Bodenbesitz vor allem seit der Dekolonisierung geht eine Auflösung dieser vorkolonialen Umverteilungsstrukturen einher. Heutige (Klein-)Familien können kaum noch auf ein Netz familiärer und nachbarschaftlicher Solidaritätsstrukturen zurückgreifen, vor allem angesichts des allgemein herrschenden ökologischen Druckes auf die ökologisch fragile Klimazone.

Hungerkrisen und Hungersnöte

Das kognitive System der Bauern in dieser Klimazone sieht Knappheiten, Dürren und Heuschreckenplagen vor. Hungerkrisen und auch Hungersnöte kommen immer wieder vor. Vorkoloniale Solidaritätsstrukturen waren in der Lage, einen gewissen Druck auf dieses fragile System abzupuffern.

Die Hungerkrisenforschung kennt eine Reihe abgestufter Anpassungsstrategien etwa vom Verzicht auf eine bis zwei Mahlzeiten am Tag, über das Zubereiten von Hungerspeisen, d. h. dem Wechseln von "zivilisierter" Kost zu Nahrungsmitteln aus der Wildnis, sowie darüber hinaus vom Anzapfen von Umverteilungs- und Solidaritätsstrukturen bis zur Migration in besser gestellte Regionen. Erst am Ende dieses Kontinuums steht das Umschlagen in Passivität und das Sich-ergeben in sein Schicksal.

In der "ersten Welt" bekommen wir über die Medien nur Bilder dieses Endzustandes geliefert, d. h. ausschließlich Bilder von hilflosen Opfern. Dass dieser Katastrophe ein langer Zeitraum vorangeht, in dem die Menschen versuchen, sich selber zu helfen, bleibt dem Auge der TV-Kameras verborgen.

Bis auf die wenigen spektakulären Bilder der massiven Heuschreckenschwärme Anfang 2005 sind der Weltöffentlichkeit die Warnsignale vor einer massiven Hungerkrise verborgen geblieben. Spätestens Anfang 2005 hätten Untersuchungen stattfinden müssen, um die Risiken einer Hungersnot abzuwägen. Wer es wissen wollte, hätte wissen können, dass sich solch ein Szenario wieder anbahnt. Es scheint sich niemand mehr an die Hungersnot zu Beginn der 1970er Jahre zu erinnern, die damals den gesamten Sahel betraf und erstmals Bilder von ausgemergelten Kindern in unsere Wohnzimmer transportierte.

In der historischen Perspektive zeigt sich, dass aus Hungerkrisen in der Regel erst dann Hungersnöte werden, wenn sich zu natürlichen Gegebenheiten (z. B. Dürre, Heuschrecken) anthropogene Faktoren hinzugesellen. In der Kolonialzeit waren dies etwa die enorme Belastung der Bauern durch Steuern, Zwangsarbeit und Rekrutierung zum Militär.

Der in der Regel weitgehend autark wirtschaftende bäuerliche Haushalt wird durch seine zunehmende Einbindung in Marktstrukturen anfälliger. Die aktuelle Hungersnot zeigt, dass ein landwirtschaftliches System, das sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich unter Druck steht, keinen Puffer mehr hat, um ungünstigen klimatischen Bedingungen und Heuschreckeneinfällen standzuhalten.

 

 

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Niger aus der freien Enzyklopädie Wikipedia (http://de.wikipedia.org/) und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation (http://www.gnu.org/licenses/fdl.txt). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hauptseite&action=history) verfügbar

 

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