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Sankt Petersburg gegründet 1703 als Sankt-Pieterburch, kurz darauf Sankt Petersburg, von 1914 bis 1924 Petrograd, Januar 1924 bis 6. September 1991 Leningrad, ist mit 4.039.751 Einwohnern in der eigentlichen Stadt und 4.784.261 in der Agglomeration (Stand jeweils 1. Januar 2005) nach Moskau die zweitgrößte Stadt Russlands und eine der größten Städte Europas. Die Stadt liegt im Nordwesten des Landes, an der Mündung der Newa am Ostende des Finnischen Meerbusens. St. Petersburg ist die am weitesten nördlich gelegene Millionenstadt der Welt.

Die Stadt war vom 18. bis ins 20. Jahrhundert die Hauptstadt des russischen Reiches, ist ein europaweit wichtiges Kulturzentrum und beherbergt den wichtigsten russischen Ostsee-Hafen. Die Innenstadt ist Welterbe der UNESCO; die Stadt, die über 200 Jahre lang das politische und kulturelle Zentrum Russlands war, besitzt bis heute eine eindrucksvolle Kulturlandschaft.

Nach dem Tode Lenins wurde die ehemalige Stadt der Zaren in Leningrad umbenannt. Das Machtzentrum der UdSSR verschob sich dennoch immer mehr nach Moskau. Hatten die Funktionäre der KPdSU in Leningrad anfangs noch gesamtstaatlichen Einfluss, änderte sich das mit dem Ausbau der persönlichen Macht Stalins. 1934 wurde im Rahmen der Stalinschen Säuberungen der populäre Leningrader Parteichef Sergej Kirow in seinem Büro ermordet, der ehemalige Vorsitzende des Petrograder Sowjets Grigori Sinowjew fiel einem Schauprozess zum Opfer, ein anderer ehemaliger Vorsitzender des Petrograder Sowjets Leo Trotzki wurde 1940 im mexikanischen Exil ermordet.

Während des 2. Weltkrieges wurde die Stadt fast 900 Tage lang von deutschen Truppen unter Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb belagert. In der Zeit der Blockade vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, in der die Wehrmacht auf Befehl Hitlers keine Eroberung Leningrads versuchte, sondern stattdessen systematisch von jeglicher Versorgung abschnitt, starben über eine Million Zivilisten. Eine geheime Weisung des Oberkommandos der Wehrmacht vom 23. September 1941 lautete: Der Führer ist entschlossen, die Stadt Petersburg vom Erdboden verschwinden zu lassen. Es besteht nach der Niederwerfung Sowjetrusslands keinerlei Interesse am Fortbestand dieser Großsiedlung. Ausdrücklich mit eingeschlossen war damit der Genozid an den etwa drei Millionen Einwohnern, sie hätten in dem gemäß dem Generalplan Ost neu zu schaffenden deutsch besiedelten Ingermanland keinen Platz mehr gehabt.

Nahrungsmittel zur Versorgung der Millionenstadt konnten nur unter großen Gefahren per Flugzeug oder im Winter über den vereisten Ladogasee per Bahn und LKW nach Leningrad gebracht werden. Die Route über den See lag im Schussfeld der Wehrmacht, im Schnitt kam von drei gestarteten LKW einer in Leningrad an. Besonders dramatisch war die Situation im Jahr 1941. Durch Luftangriffe wurde ein Großteil der Nahrungsmittelvorräte vernichtet, zudem brach der Winter ungewöhnlich früh ein. Der Abwurf gefälschter Lebensmittelbezugsscheine aus Flugzeugen der Wehrmacht tat ein übriges. Die Rationen sanken im Oktober auf 400 Gramm Brot für Arbeiter, 200 Gramm für Kinder und Frauen. Am 20. November 1941 wurden sie auf 250 Gramm, respektive 125 Gramm reduziert. Zudem herrschten Temperaturen von bis zu –40 Grad Celsius in einer Stadt, in der Heizmaterial äußerst knapp war. Allein im Dezember 1941 starben circa 53.000 Menschen, viele von ihnen fielen einfach vor Entkräftung auf der Straße um. Die Dichterin Anna Achmatowa beschrieb 1941 die Stimmung in der Stadt:

Todesvögel stehen in der Luft

da Leningrad um Hilfe ruft

Lärmt nicht, noch kann es atmend sich erheben

hört: noch alles ist am Leben

Auf der Ostsee tiefem Grund

stöhnen die Söhne im Schlaf sich wund

"Brot!" – aus innersten irdischen Qualen

dringt dieser Ruf zu den Himmelsschalen

Doch der Himmel hat kein Brot

Und aus den Fenstern blickt der Tod

Während der Belagerung wurden etwa 150.000 Artilleriegeschosse auf die hungernde und gebeutelte Stadt abgeschossen, etwa 100.000 Fliegerbomben fielen.

Bei Rückeroberungsversuchen der Roten Armee kamen dazu etwa 500.000 sowjetische Soldaten ums Leben. Versuche 1941 und 1942 scheiterten, erst mit der Einnahme von Schlüsselburg am 18. Januar 1943 gelang es, wieder eine Versorgungslinie in die Stadt zu etablieren. Die Offensive, die die Stadt befreien sollte, begann am 14. Januar 1944 und konnte am 27. Januar 1944 zum Abschluss gebracht werden.

Die Behandlung Leningrads nach dem Großen Vaterländischen Krieg, wie der Zweite Weltkrieg in der Sowjetunion genannt wurde, war widersprüchlich. Einerseits war die Stadt zu dem sowjetischen Symbol von Widerstandswillen und Leiden im Krieg geworden - andererseits tobten Machtkämpfe zwischen Leningradern und Moskauer Funktionären noch bis in die 1950er Jahre hinein. Der Wiederaufbau Leningrads wurde zur Prestigeangelegenheit der Sowjetunion. Innerhalb kürzester Zeit wurden eine Million Arbeiter in die Stadt gezogen, die sie wiederaufbauten - die Restaurierung der Kulturdenkmale besaß dabei eine besondere Wertigkeit. Bereits 1945 erhielt die Stadt zusätzlich die Auszeichnung als Heldenstadt.

Ebenfalls in den Nachkriegsjahren wurden zahlreiche neue Stadtteile gebaut - 1963 war das Jahr in dem mehr neuer Wohnraum in der Stadt geschaffen wurde als je vorher oder nachher. Andererseits musste das 250-jährige Stadtjubiläum verschoben werden: 1953 war der Machtkampf noch im Gange und jede positive Erwähnung unerwünscht - zudem war gerade Stalin gestorben, eine Feierlichkeit, egal aus welchem Anlass, erschien nicht angebracht. Die Feier musste 1957 unter Nikita Chruschtschow nachgeholt werden - ohne die Erwähnung, dass es eigentlich der 254. Geburtstag war. In den Folgejahren hielt die Stadt ihren Ruf als große Industriestadt und eines der wissenschaftlichen Zentren der Sowjetunion. Das politisch-kulturelle Zentrum Russlands und der Sowjetunion lag zu dieser Zeit aber klar in Moskau. Die Bevölkerung war durch die Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegszeit ebenfalls zu einem Großteil ausgetauscht worden - die Verbundenheit mit Petersburg in der Stadt wurde zunehmend schwächer.

1988 wurden bei einem Brand in der Akademie der Wissenschaften ungefähr eine Million Bibliotheksbände ein Opfer der Flammen. 1989 wurde die Innenstadt unter Denkmalschutz gestellt.

Nach einer Volksabstimmung, in der sich 1991 54% der Bevölkerung für die Annahme des historischen Namens aussprachen, nahm die Stadt wieder ihren ursprünglichen Namen an. Die umgebende Verwaltungseinheit blieb aber ebenfalls nach einer Volksabstimmung weiterhin die Oblast Leningrad.

Bei dem Putschversuch gegen Boris Jelzin sammelte der damalige Bürgermeister Anatoli Sobtschak die Anhänger der Demokratie um sich, es kam zu einer großen Demonstration vor dem Winterpalast gegen die Putschisten.

Am 27. Mai 2003 wurde das 300-jährige Jubiläum der Stadt begangen. Im Zuge dessen wurden im Vorfeld Teile der Altstadt und verschiedene Paläste saniert, sowie das legendäre Bernsteinzimmer rekonstruiert. Der russische Staat gab für die Rekonstruktion ein bis zwei Milliarden Euro aus, die deutsche Firma Ruhrgas hat sich erheblich durch eine Spende von 3,5 Millionen Dollar an den Kosten beteiligt, was auch auf einer Gedenktafel vor Ort gewürdigt wird. Am 31. Mai des Jahres weihten Wladimir Putin und Gerhard Schröder offiziell die Rekonstruktion des Bernsteinzimmers ein. Die Stadt stand das erste Mal seit langer Zeit wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Da sich ein Großteil der Renovierungen allerdings auf die Fassaden und die besonderen Prunkstücke konzentrierte, sprachen Kritiker davon, dass es sich hierbei um – geschichtlich ohnehin eng mit Petersburg verbundene – öPotemkinsche Drfer handele. Inzwischen (2004/05) sind die kritischen Vermutungen, alle Arbeiten würden nur für die Festtagsgäste zum 300 jährigen Jubiläum durchgeführt und danach eingestellt, verstummt. Die Renovierungen der Stadt gingen auch nach den Feierlichkeiten weiter und dauern an.

Sankt Petersburg ist ein Verkehrsknotenpunkt und ein Zentrum russischer Forschung und Entwicklung und beherbergt dementsprechend ein großes Potenzial an Betrieben aus diesem Bereich. Auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der russischen Rubelkrise von 1998 konnte die Stadt große Teile ihres Potenzials retten.

In Sankt Petersburg finden sich Betriebe fast aller Zweige der verarbeitenden Industrie, ein besonderer Schwerpunkt liegt aber auf dem Schiff- und Maschinenbau. Unter anderem werden alle russischen atomgetriebenen Eisbrecher in der Stadt gefertigt. Weitere Schwerpunkte des industriellen Sektors in der Stadt sind Radioelektronik (vor allem in der Luft- und Raumfahrt), Neue Baustoffe (eine der vorrangigen Wachstumsbranchen), Energiemaschinenbau (Branchenbetriebe sind weltweit wettbewerbsfähig), Medizinischer Gerätebau, Vorbeugungsmedizin und Gesundheitswesen sowie Ökologisches Engineering. Außerdem besitzt die Stadt Möbelindustrie, Nahrungsmittelindustrie (zum Beispiel die bekannte Brauerei Baltika) und erdölverarbeitende Industrie. In den letzten Jahren beginnt die Informationstechnologie eine größere Rolle einzunehmen.

In der Stadt haben an ausländischen Unternehmen unter anderem Wrigley, Gillette, Rothmans, Unilever, Japan Tobacco, Coca-Cola und Ford nennenswerte Investitionen getätigt. Der Ford Focus wird hier gefertigt. Wichtigster Außenhandelspartner der Stadt ist Deutschland.

An Rohstoffen finden sich Kies, Sandstein, Ton und Torf. Die Landwirtschaft spielt keine Rolle in der lokalen Wirtschaft.

In der Sowjetunion war St. Petersburg der Hauptflottenstützpunkt, noch heute befindet sich der Großteil der ehemaligen Schlachtschiffe und U-Boote in den Petersburger Militärhäfen. Das erste Dieselmotorschiff der Welt, die Vandal, lief von Rybinsk kommend ab 1903 planmäßig St. Petersburg an. Vor der Perestroika bildete der rüstungsindustrielle Komplex 80 Prozent der Leningrader Wirtschaft.

Tourismus wird ein zunehmend wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Stadt. Laut der UNESCO gehört die Stadt zu den zehn für Touristen attraktivsten Reisezielen weltweit.

Das Optik-Kombinat begründete mit der Produktion der LOMO Compact Automat eine eigene Stilrichtung der Fotografie, die Lomographie.

Sankt Petersburg ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Hierbei stellt die Stadt eine wichtige Verknüpfung zwischen Seeschifffahrt und Eisenbahn her. Der Hafen Sankt Petersburgs ist der größte Hafen Russlands und hat Bedeutung für den ganzen osteuropäischen und nordasiatischen Raum. Von Sankt Petersburg aus fahren Fähren nach Kaliningrad, wofür kürzlich ein großes Fährterminal eingeweiht wurde. Weitere Fährverbindungen bestehen nach Stockholm, Helsinki, Kiel und anderen Hafenstädten an der Ostsee. Die wichtigen Vorhäfen von Sankt Petersburg befinden sich an der Ostsee in Ust-Luga und in Wyssozk. Über die Newa und verschiedene Kanäle bestehen schiffbare Verbindungen zum Ladogasee, zur Wolga und zum Weißen Meer. Dabei fahren die Schiffe nachts durch das Stadtgebiet, wofür Klappbrücken hochgeklappt werden.

Die erste russische Eisenbahn führte von Sankt Petersburg nach Zarskoje Selo. Vor dem ersten Weltkrieg fuhr der Nord-Express direkt von St. Petersburg bis nach Paris. Heute bestehen Eisenbahnlinien nach Murmansk (Ladogabahnhof), Kirow, Moskau (Oktoberbahnhof), Tallinn (Baltischer Bahnhof), Kaliningrad, Minsk und Berlin (Witebsker Bahnhof) sowie Helsinki (Finnischer Bahnhof).

Sankt Petersburg besitzt zwölf Autobahnen. Zur Zeit wird eine weitere um die Stadt herum gebaut. Das russische Kfz-Kennzeichen lautet "78".

Etwa zwölf Kilometer südlich von der Innenstadt liegen die Flughäfen Pulkowo I (Inlandsflüge) und Pulkowo II (Auslandsflüge). Von ihnen aus fliegt Pulkovo Airlines, von Pulkowo II auch zahlreiche ausländische Airlines.

Aufgrund der Lage im Sumpf und der Notwendigkeit den Vortrieb der Tunnel im darunter liegenden Granit vorzunehmen, ist die – 1955 eröffnete – Metro die tiefste U-Bahn der Welt. Die bis zu 90 Meter tief gebaute Petersburger Metro hat vier Linien. Außerdem gibt es zahlreiche Bus- und Trolleybuslinien sowie mit der Tramwai Sankt Petersburg das größte Straßenbahnnetz der Welt. Der größte Anteil des bodengebundenen Reisendenstroms wird aber von den Linientaxis („Marschrutka“) bewältigt. Sankt Petersburg besitzt zusätzlich ein weit in die Oblast Leningrad reichendes S-Bahnnetz („Elektritschka“).

     

 

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