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Reykjavík ist die Hauptstadt Islands und die am nördlichsten gelegene Großstadt Westeuropas (Breitengrad 64° 08' N, nicht weit vom Nördlichen Polarkreis, der bei 66° 33' N liegt).
Die isländische Bezeichnung "Rauchbucht" (isländ. "Reykjavík") rührt vermutlich von den Dämpfen der heißen Quellen in der Umgebung her und wird einem Missverständnis des ersten Siedlers Inglfur Arnarson zugeschrieben.
Reykjavík ist mit 113.387 Einwohnern die größte Stadt Islands, hier leben ca. 40 % der Gesamtbevölkerung Islands. Die Stadt liegt am Atlantik, genauer gesagt an der Faxafli-Bucht.
Hier befinden sich die meisten Fakultäten der Universität des Landes und verschiedene andere Hochschulen, Theater, Museen und Kultureinrichtungen sowie ein Hochseehafen.
Mitten in der Stadt liegt ein kleiner See, der öTjrnin.
Geografie
Reykjavík liegt im Südwesten der Insel auf der Halbinsel Reykjanes. Die Zone der plattentektonischen Verschiebung, die Island von Südwesten nach Nordosten quert, führt auch über diese Halbinsel. Daher gibt es häufiger Erdbeben, die allerdings meist glimpflich verlaufen.
Schritt für Schritt konnte sich Island bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts als eigenständige Nation etablieren: Im Jahre 1904 wurde ein Großteil der Exekutive unter einem Minister für Island nach Reykjavík transferiert. Ab dem 1. Dezember 1918 wurde Island zum Königreich Island erklärt, das aber immer noch der dänischen Krone unterstand. Reykjavík galt nun offiziell als Hauptstadt des Landes. Auch die Einwohnerzahl hatte inzwischen entsprechend zugenommen (vgl.: Demographische Entwicklung).
In den 1920er und 1930er Jahren prosperierte die Stadt zunächst aufgrund der profitablen Produktion von Stockfisch und des Fischexports allgemein. Später litt allerdings auch sie unter der wirtschaftlichen Depression (vgl. z.B. óHalldr Laxness' Romane). Der Aufschwung kam mit dem Zweiten Weltkrieg und der Besetzung zunächst durch die Engländer, dann durch die Amerikaner (vgl. etwa die Romane von áEinar Krason).
Die Amerikaner halfen, den großen Zivilflughafen in íKeflavk zu bauen und erhielten im Gegenzug das Recht, in der Nähe dauerhaft ihre Truppen zu stationieren. Außerdem schufen sie viele Arbeitsplätze. Dies löste die bis heute anhaltende Landflucht und einen massiven Zuzug in die Hauptstadtregion aus.
Im Jahre 1944 wurde am 17. Juni in Þingvellir die Republik Island ausgerufen. Reykjavík wurde die Hauptstadt des unabhängigen Landes. Der Sitz des isländischen Premierministers befindet sich hier, der des Präsidenten, der ähnlich wie in Deutschland repräsentative Funktion hat, im Reykjavíker Vorort Bessastair. Dieses Amt wurde von 1980 bis 1996 zum ersten Mal von einer Frau ausgeübt, Vigods Finnbogadttir.
Ab den 50er Jahren kann man geradezu von einem Boom in der Hauptstadt sprechen. Die Lebensbedingungen verbesserten sich rasant. Der Zuzug hielt unvermindert an, während sich immer mehr Industrien in Reykjavík niederließen und andererseits auf dem Lande aufgrund verbesserter Agrartechnologie der Bedarf an Arbeitskräften sank.
Reykjavík wurde auch immer mehr in der Welt bekannt, nachdem im Jahre 1972 dort die Schachweltmeisterschaft zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski entschieden worden war. Ebenso nahm sein Gewicht in der Weltpolitik zu, als sich z.B. 1986 Ronald Reagan und Michail Gorbatschow zu einem Gipfeltreffen dort einfanden.
Außerdem spielt seit den 1990er Jahren Reykjavík auf dem Technologiesektor eine bedeutende Rolle, da es gelang, rechtzeitig und massiv in den High-Tech-Sektor einzusteigen.
Heutzutage kann man Reykjavík immer noch als eine aufstrebende und auch im künstlerischen Bereich weiterhin aufblühende Stadt bezeichnen. Dies zeigt sich einerseits am weiterhin anhaltenden Bauboom, der zahlreiche interessante, wenn auch nicht immer ästhetisch befriedigende Gebäude hervorbringt und die Stadtsilhouette ständig verändert. Andererseits aber auch an der sehr lebendigen Kunst- und Musikszene. Haben sich zu Beginn und in der Mitte des 20. Jahrhunderts vor allem Schriftsteller und bildende Künstler wie z.B. óEinar Jnsson oder Ásmundur Sveinsson international einen Namen gemacht, so sind es heutzutage mehr die Popmusiker öBjrk oder die Mitglieder der Band óSigur Rs, die allgemeinen Bekanntheitsgrad erlangten.
Wirtschaft und Verkehr
In Reykjavík befinden sich v.a. Dienstleistungsunternehmen, Fischerei- und High Tech-Industrie, u.a. gentechnische und biotechnische Labors.
Die Stadt verfügt inzwischen über einige moderne bis zu sechsspurige Stadtautobahnen. Die Ringstraße Nr.1 führt durch die Außenbezirke der Stadt hindurch. Sie erstreckt sich nach Osten weiter über die Hellisheiði Richtung Selfoss und nach Nordwesten Richtung Akranes und Borgarnes, wobei sie das Reykjavík überragende Bergmassiv der Esja umrundet. Derzeit wird die Staatsstraße zum internationalen Flughafen in Keflavik vierspurig ausgebaut.
Außerdem hat Reykjavík ein ausgesprochen effizientes öffentliches Verkehrssystem aufzuweisen: Busse mit 5 dezentralen Busbahnhöfen und einem zentralen Busbahnhof, dem BSI, sowie einen Inlandsflughafen in der Nähe des Tjrnin. In der Diskussion ist die Verwendung der - in Island viel billigeren - Energiequelle Strom für den öffentlichen Nahverkehr. Vom Einsatz von Straßenbahnen ist man wegen der Erdbebengefahr abgekommen und wird sich vermutlich letztendlich für ein Bussystem mit elektrischen Oberleitungen entscheiden. Inzwischen wird auch Wasserstoff als Antriebsquelle für Busse ausgetestet.
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