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Rio de Janeiro ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates in Brasilien an der Guanabara-Bucht. Der Name (portugiesisch für „Fluss des Januar“) entstand, weil Andre Goncalves am 1. Januar 1502 die Bucht entdeckte und irrtümlich für die Mündung eines großen Flusses gehalten hatte. Mit 6.023.742 Einwohnern in der eigentlichen Stadt und 11.495.626 in der Agglomeration (Stand jeweils 1. Januar 2005) ist sie die zweitgrößte Stadt des Landes.
Von 1763 bis 1960 war Rio de Janeiro die Hauptstadt Brasiliens und trat danach diese Funktion an íBraslia ab, bleibt aber nach Sao Paulo bedeutendstes Handels- und Finanzzentrum des Landes. Die Bewohner der Stadt nennt man Cariocas (nach einer Musik- und Tanzform, einer Variante des Samba).
Wahrzeichen von Rio de Janeiro sind der Zuckerhut, die 38 Meter hohe Christusfigur auf dem Gipfel des Corcovado und die Copacabana, die als einer der schönsten Strände der Welt gilt. Die Stadt ist auch bekannt wegen des järhrlich stattfindenden Karnevals von Rio. Die vielfarbige Parade der Sambaschulen gehört zu den größten Paraden der Welt.
Rio de Janeiro hat eine Fläche von 1.260 Quadratkilometer und liegt unmittelbar nördlich des südlichen Wendekreises, eingebettet zwischen dem Atlantik im Süden, der Guanabara-Bucht im Osten und den Ausläufern der Serra do Mar, einem Teil des zentralbrasilianischen Hochlandes, im Norden und Westen durchschnittlich fünf Meter über dem Meeresspiegel. Das Stadtgebiet ist geprägt durch die Buchten und Strände entlang der Ufer, sowie durch Morros genannte Granithügel, die zu den Ausläufern der Serra do Mar gehören.
Zu diesen Granithügeln gehören auch die beiden Wahrzeichen Rios, der 400 Meter hohe Zuckerhut, unmittelbar auf einer Halbinsel in der Guanabara-Bucht gelegen, sowie der 704 Meter hohe Corcovado mit der Christus-Statue auf dem Gipfel. Der höchste Punkt des Stadtgebietes ist der 1.022 Meter hohe Pico da Tijuca, der inmitten eines ausgedehnten Naturschutzgebietes liegt.
Durch eine Hügelkette wird das Stadtgebiet in zwei Teile getrennt, dem entlang der Atlantikküste liegenden Stadtteil Süd-Rio mit den berühmten Strandbezirken Ipanema und Copacabana und dem nördlichen Teil mit dem historischen Stadtzentrum, dem heutigen Geschäftszentrum sowie den neueren Stadtteilen im Norden.
Stadtgliederung
Rio de Janeiro gliedert sich in vier Verwaltungszonen (zonas): Zentrum und Hafen (Centro e Portuária), Norden (Norte), Süden (Sul) und Westen (Oeste). Diese teilen sich in 65 Stadtbezirke (subprefeituras).
Auf Grund der Lage Rios in den niederen Breiten, am Atlantischen Ozean und an der Guanabara Bucht ist das Klima der Stadt tropisch mit zwölf humiden Monaten.
Die Jahresurchschnittstemperatur beträgt 22,6 Grad Celsius bei nur geringen monatlichen Abweichungen (Höchsttemperatur im Januar/Februar: 25,5 Grad Celsius, Tiefsttemperatur im Juli: 20,2 Grad Celsius) und einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von circa 1.100 Millimeter.
Die höchsten Niederschläge fallen in den Monaten Dezember bis April, wenn auf der Südhalbkugel Sommer ist.
Entsprechend dem Vertrag von Tordesillas erhoben die Portugiesen Anspruch auf das 1500 entdeckte Gebiet des heutigen Brasiliens, der aber von den Franzosen nicht anerkannt wurde, die daraufhin 1555 am Ort des heutigen Rio de Janeiro die Stadt France antartique gründeten. Zu jener Zeit lebten in dieser Region Tupi-Indianer. Erst zehn Jahre später, 1565, wurden die Franzosen durch die Portugiesen von dort vertrieben und der Name der Stadt in São Sebastião do Rio de Janeiro geändert.
1680 wurde Rio de Janeiro Hauptstadt der südlichen Regionen Brasiliens; zu dieser Zeit war die Siedlung mit rund 4.000 Einwohnern eine der wichtigsten portugiesischen Stützpunkte auf brasilianischem Gebiet. Seit 1700 entwickelte sich Rio de Janeiro zur wichtigsten Hafenstadt in Brasilien, vor allem ausgelöst durch Goldfunde in der benachbarten Region Minas Gerais.
Obwohl die Stadt 1710/1711 von den Franzosen angegriffen und besetzt wurde und nur gegen ein hohes Lösegeld den Abzug der Franzosen erreichen konnte, erholte sie sich in den nachfolgenden Jahren rasch und wurde 1763 zur Hauptstadt des Vizekönigreiches Brasilien. Einen weiteren Bedeutungsgewinn erfuhr Rio de Janeiro 1808, als der Portugiesische Hof nach dem Angriff Napoleons auf Portugal hierhin flüchtete.
Im Zuge dessen wurden viele koloniale Restriktionen aufgehoben, wodurch die wirtschaftliche Entwicklung stark gefördert und eine Bevölkerungsexplosion ausgelöst wurde die bis in die 1980er anhielt. Innerhalb von knapp hundert Jahren stieg die Bevölkerungszahl der Stadt auf über 500.000 Einwohner (1891) an und erreichte bis 1980 circa fünf Millionen.
Als sich 1822, nach der Rückkehr des portugiesischen Hofes nach Portugal, Brasilien unter dem Prinzen Dom Pedro IV. zu einem unabhängigen Kaiserreich erklärte, behielt Rio de Janeiro den Status als Hauptstadt in welcher der Prinz nun als Kaiser Dom Pedro I. residierte. Aufgrund von Thronfolgestreitigkeiten in Portugal und innenpolitischen Problemen in Brasilien dankte er 1831 ab und ließ seinen minderjährigen Sohn zurück. Dieser bestieg als Dom Pedro II. im Jahre 1840 den Thron. Er initiierte u.a. den Bau einer Eisenbahn, deren erster Abschnitt1858 in Rio de Janeiro eröffnet wurde.
Auch als 1889 Brasilien nach einem Militärputsch zur Republik wurde blieb Rio de Janeiro Hauptstadt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte Rio de Janeiro eine gesellschaftliche Blüte, da die Stadt für Filmstars und die internationale High Society zum Anlaufpunkt wurde. In diese Zeit fällt auch die Entstehung des brasilianischen Jazz Bossa Nova der durch Lieder wie zum Beispiel Garota de Ipanema/The Girl from Ipanema, gesungen von ôAntnio Carlos Jobim, weltbrühmt wurde.
Durch das Aufkommen des Massentourismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich insbesondere das Bild der strandnahen Stadtteile stark verändert, das heute vor allem durch zahlreiche Hotels geprägt ist, während die vom Meer weiter entfernteren Stadtteile vor allem durch die zunehmende Verslummung geprägt wurden.
Erst 1960 verliert Rio de Janeiro den Status als Hauptstadt an die unter Juscelino Kubitschek neu gebaute Stadt Brasilia. Gleichzeitig wird die Stadt Rio de Janeiro zum eigenständigen Stadtstaat Guanabara, der 1975 mit dem Bundesstaat Rio de Janeiro zusammengeführt wird. Die Stadt wird dabei zur Hauptstadt des neuen Bundesstaates.
Internationale politische Beachtung errang die Stadt nochmals 1992 als dort der UN-Umweltgipfel abgehalten wurde.
Seit 2001 ist éCsar Maia (PFL) Bürgermeister von Rio de Janeiro, er wurde 2004 mit 50,1 Prozent wieder gewählt.
Mit der Entwicklung von Industrie und Handel in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg erfolgte eine umfangreiche Zuwanderung von Menschen aus dem Landesinneren, und Rio de Janeiro dehnte sich stark aus. Die Einwohnerzahl der Stadt hat sich seit Mitte der 1950er Jahre auf heute sechs Millionen verdoppelt. Das Wachstum geht sowohl auf Zuwanderung als auch auf Geburtenüberschuß zurück.
Die gesellschaftliche Situation Rio de Janeiros ist zum einen geprägt durch die für Brasilien typische große Toleranz zwischen den verschiedenen Ethnien sowie durch den ausgesprochen jungen Altersdurchschnitt (mehr als 25 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 18 Jahre, über 87 Prozent ist unter 60).
Auf der anderen Seite besteht das Hauptproblem der Stadt in den dramatischen Unterschieden der sozialen Situation der Einwohner. An den Hängen der Stadt befinden sich die aus ärmlichen Behausungen bestehenden Gebiete, die als Favelas bekannt sind, während die vornehmeren Wohngebiete im Süden, nahe den Stränden an der Atlantikküste, wie Copacabana, Ipanema und Leblon liegen.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1929 handelt es sich meist um Schätzungen, von 1940 bis 2000 um Volkszählungsergebnisse und 2005 um eine Berechnung.
Die berühmtesten Wahrzeichen von Rio de Janeiro sind der Zuckerhut (Pão de Açùcar) auf einer Halbinsel in der Guanabara-Bucht und die 38 Meter hohe Christusstatue die sich auf dem Corcovado-Berg befindet - zu erreichen mit der Corcovado Bergbahn.
Am Südende der "Avenida Rio Branco" im Stadtzentrum liegt die "Praça Floriano", einer der eindrucksvollsten Plätze Rio de Janeiros. "Cinelândia" auf der einen Seite ist ein lebhaftes Viertel mit Cafés, Bars und Kinos. Im nördlichen Teil der Praça steht das prachtvolle "Teatro Municipal", im Jahre 1909 als verkleinerte Version der Pariser Oper gebaut. Im Untergeschoß befindet sich das mit Mosaiken ausgestattete "Café do Teatro" im Assírio-Saal.
Ebenfalls an der Avenida Rio Branco stehen zwei große neuklassizistische Gebäude: die "Biblioteca Nacional" (eröffnet 1910) und das "Museu Nacional de Belas Artes". Sehenswert ist auch das "Confeitaria Colombo" (schönstes Café Rio de Janeiros im Jugendstil), an der "Rua Gonçalves Dias".
An der "Avenida República do Chile" findet man die moderne wie ein Vulkan aus Beton aussehende "Catedral Metropolitana" mit einem Fassungsvermögen für 20.000 Gläubige. Nahe der neuen Kathedrale bei der "Station des Bonde", fährt eine kleine ßStraenbahn über den äAqudukt "Arcos da Lapa" aus dem 18. Jahrhundert durch steile Kopfsteinpflasterstraßen zum Künstlerviertel "Santa Teresa".
Zahlreiche alte Kirchen und Klöster wie die "Candelária-Kirche" (Igreja da Candelária) sowie das Kloster "São Bento" (Mosteiro de São Bento) und andere Bauten aus der Kolonialzeit wie der Residenzpalast "Quinta da Boa Vista" stehen in starkem Kontrast zur modernen Architektur.
Im Stadtzentrum gegenüber dem würfelförmigen Petrobrás-Gebäude (Brasiliens staatlicher Erdölgesellschaft) liegt der kleine Park Largo da Carioca. Dahinter erhebt sich auf einem Hügel die einfache, weisse "Igreja e Convento de Santo Antônio", die älteste und wohl schönste Kirche Rio de Janeiros. Neben dem Kloster "Santo Antônio" steht die mit prachtvollem Barockdekor ausgeschmückte Kirche "São Francisco da Penitência".
Die "Praça XV de Novembro" in Ufernähe der Guanabara-Bucht war der Hauptplatz des kolonialen Rio de Janeiro; das elegante dreistöckige Bauwerk an der Südostseite ist der "Paço Imperial", die erste Residenz von Johann VI. (1767-1826), König von Portugal, nachdem dieser seinen Hofstaat im Jahre 1807 nach Brasilien verlegt hatte.
Nicht so weit entfernt, an der "Praça Pio X" befindet sich die Kirche "Nossa Senhora da Candelária". Ihr prachtvolles Innere ist gänzlich mit verschiedenfarbigem Marmor dekoriert, und Marmorengel stützen die beiden riesigen Bronzekanzeln.
Seit der Gründung der Stadt als Festung und portugiesischer Handelsposten breitete sich Rio de Janeiro aus und füllte allmählich das gesamte Gebiet zwischen der Küste und den Bergen des Hinterlandes aus. Der wirtschaftliche Kern der Stadt konzentriert sich um die die Avenida Presidente Vargas und die Avenida Rio Branco. Dazu gehören einige hohe Bürogebäude. Im Norden stehen ausgedehnte Industriebezirke und Wohngebiete.
Da Rio de Janeiro das beliebteste Reiseziel für Touristen im Land ist, sind auch die bedeutendsten Wirtschaftszweige der Stadt mit dem Fremdenverkehr, dem Dienstleistungs- und dem Finanzsektor verbunden. In Südamerika steht die Stadt in wirtschaftlicher Hinsicht hinter Sao Paulo an zweiter Stelle. Rio de Janeiro ist auch einer der Hauptstandorte der herstellenden Industrie in Brasilien, überwiegend Bekleidung, chemische und pharmazeutische Produkte, Möbel, Metallwaren, Nahrungsmittel, Schiffe und Textilien werden hier hergestellt.
Das Bankwesen ist dominierend, und die zweitgrößte Börse des Landes, die "Bolsa da Valores do Brasil", hat ihren Sitz in der Stadt. Eine ebenfalls bedeutende Rolle in der Wirtschaft Rio de Janeiros spielt die Landwirtschaft in der Umgebung der Stadt. Hauptexportgüter sind vor allem Kaffee und Sojabohnen. Probleme bereiten die Inflation und die hohe Arbeitslosigkeit, auch die Unterschiede zwischen der armen und reichen Bevölkerung sind gravierend, was mit ein Grund dafür ist das sich die äKriminalitt zu einem inoffiziellen Wirtschaftssektor entwickelt hat. Insbesondere Touristen sind häufig Opfer von Kleindiebstahl.
Seit die neue Landeswährung, der Real, im Jahre 1994 eingeführt wurde, hat sich die Wirtschaft Rio de Janeiros stabilisiert. Noch 1990 sank das Wirtschaftswachstum und die Inflation war extrem hoch. Die Stadt war hoch verschuldet und die Politik richtungslos. Seit 1996 dürfen Ausländer an den Börsen im Land investieren. Um zahlreichere Investitionen aus dem Ausland anzuziehen, hat die brasilianische Regierung außerdem die Handelsbeschränkungen abgeschafft, Industriebereiche privatisiert und die Tarife gesenkt. Diese Maßnahmen haben den Marktzugang für ausländische Unternehmen nach Rio de Janeiro erleichtert, die dadurch ihre Gewinnspanne erhöhen konnten.
Zu den bedeutendsten, teilweise internationalen, Konzernen mit Sitz in Rio de Janeiro gehören unter anderem EmbraTel, Esso, Petrobras, Petroleo Ipiraga, Shell und Texaco. Die im Vergleich zu anderen Städten hohe Konzentration an Konsulaten hat zahlreiche Firmen dazu veranlasst, ihren südamerikanischen Hauptsitz nach Rio de Janeiro zu verlegen. Die bedeutendsten Investoren sind US-amerikanische Konzerne, aber auch deutsche und japanische. Der größte Teil der Handelsorte und Unternehmen sind in der Innenstadt und in Barra de Tijuca ansässig.
Rio de Janeiro ist eine bedeutende Hafenstadt an den Schifffahrtsrouten, die die Küstenstädte im Nordosten des Landes mit den wirtschaftlich stärker entwickelten Gebieten im Südosten Brasiliens verbinden. Mit den anderen Teilen des Landes ist die Stadt durch ein ausgedehntes Netz an Eisenbahn- und Fluglinien verbunden. Im Februar 2000 wurde am internationalen Flughafen von Rio de Janeiro ein neues Terminal mit einer Kapazität von bis zu acht Millionen Passagieren pro Jahr fertig gestellt.
Neugebaute Straßentunnel und eine Brücke in Rio de Janeiro, die sich 14 Kilometer über die Guanabara-Bucht nach Niteri erstreckt, haben den Pendlerverkehr, der regelmäßig zu Staus führte, etwas entlastet. Die U-Bahn von Rio de Janeiro wurde am 19. März 1979 eingeweiht und befährt heute zwei Linien mit einer Länge von 35 Kilometern. Trolleybusse fuhren zwischen dem 3. September 1962 und April 1971 in der Stadt.
Am 30. Januar 1859 eröffnte die erste Pferdestraßenbahn der Stadt ihren Betrieb. Die sieben Kilometer lange Strecke zwischen Rio de Janeiro und dem Vorort Tijuca war nach New York (1832), Paris (1855), Santiago de Chile (1857) und Mexiko-Stadt (1858) die fünfte der Welt.
Am 8. Oktober 1892 eröffnete der Vizeprädident Brasiliens, Floriano Peixoto, zwischen Largo da Carioca und Largo do Machado in Rio de Janeiro die erste elektrische Straßenbahn des Landes. Durch den zunehmenden Autoverkehr wurde das früher umfangreiche Netz fast vollständig stillgelegt. Die Straßenbahn befährt heute nur noch einen acht Kilometer langen Streckenabschnitt nach Silvestre (Anschluß an die Corcovado Bergbahn) und Paula Mattos.
Die Lage der Straßenbahn außerhalb des Stadtzentrums und die spektakuläre Strecke von der stadtseitigen Endstation über ein früheres Aqäudukt bewahrte sie vor der Stilllegung. Neben der Straßenbahn in Braunschweig ist diese Bahn die letzte auf der Welt, die mit der Spurweite 1.100 Millimeter betrieben wird.
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