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Sao Paulo (port. für Sankt Paulus) ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates in Brasilien. Die Stadt ist das wichtigste Wirtschafts- Finanz- und Kulturzentrum sowie Verkehrsknotenpunkt des Landes mit Universitäten, Hochschulen, Theater und Museen. Sao Paulo ist der größte industrielle Ballungsraum in Lateinamerika.

In der eigentlichen Stadt Sao Paulo leben 10.021.437 Menschen, in der Agglomeration Grande Sao Paulo 19.092.087 (Stand jeweils 1. Januar 2005). Damit ist die Stadt eine der größten Metropolregionen der Erde. Sie ist durch zahlreiche Einwanderer aus aller Welt multikulturell geprägt mit wesentlichen italienischen, japanischen, libanesischen und portugiesischen Einflüssen. Die Einwohner der Stadt Sao Paulo heißen "paulistanos", des Bundesstaates Sao Paulo "paulistas".

Die Stadt liegt im Südosten Brasiliens etwa zehn Kilometer vom Atlantischen Ozean entfernt im Hochbecken des Rio Tietê, durchschnittlich 795 Meter über dem Meeresspiegel. Das Stadtgebiet hat eine Fläche von 1.523 Quadratkilometer.

20 Kilometer hinter der Hafenstadt Santos steigt die Serra do Mar schnell bis auf 1.400 Meter an und fällt dann auf die Hochebene von Sao Paulo ab. Santos und Sao Paulo verbindet ein natürlicher Pass über die Serra do Mar. Die Hochebene von Sao Paulo ist aber nicht flach, sondern ein Hügelland, so dass sich auch die Stadt Sao Paulo über zahlreiche Hügel erstreckt.

Die geografischen Koordinaten sind 23,30 Grad südlicher Breite und 46,37 Grad westlicher Länge.

Sao Paulo gliedert sich nach Himmelsrichtungen in 9 Verwaltungszonen (zonas): Nordost, Nordwest, West, Zentrum-Süd, Zentrum, Südosten, Süd, West 01 und West 02. Diese wiederum teilen sich in 31 Stadtbezirke (subprefeituras), die in 96 Stadtteile gegliedert sind (distritos). Die Stadtbezirke von Sao Paulo sind:

Aricanduva/Vila Formosa, Butantã, Campo Limpo, Capela do Socorro, Casa Verde, Cidade Ademar, Cidade Tiradentes, Ermelino Matarazzo, Freguesia do Ó, Guaianazes, Ipiranga, Itaim Paulista, Itaquera, Jabaquara, Jaçanã/Tremembé, Lapa, M'Boi Mirim, Mooca, Parelheiros, Penha, Perus, Pinheiros, Pirituba/Jaraguá, Santana/Tucuruvi, Santo Amaro, São Mateus, São Miguel Paulista, Sé, Vila Maria/Vila Guilherme, Vila Mariana und Vila Prudente.

Klima

Sao Paulo befindet sich in der subtropischen Klimazone. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 19,3 Grad Celsius, die jährliche Niederschlagsmenge 1.458 Millimeter im Mittel. Die Regenzeit dauert von Oktober bis März, die Trockenzeit mit relativ wenig Niederschlag von April bis September.

Der wärmste Monat ist der Februar mit durchschnittlich 22,3 Grad Celsius, der kälteste der Juli mit 15,7 Grad Celsius im Mittel. Der meiste Niederschlag fällt in den Monaten Januar und Februar mit jeweils 233 Millimeter im Durchschnitt, der wenigste im Juli mit 44 Millimeter im Mittel.

Sao Paulo wurde am 25. Januar 1554, Jahrestag der Konvertierung des heiligen Paulus, vom portugiesischen Padre José Anchieta, einem jesuitischen Missionar, um ein Jesuiten-Kloster gegründet. Die Siedlung wurde nacheinander Hauptstadt des Kapitanats Sao Vicente (1681) und des Kapitanats Sao Paulo (1710).

Die Jesuiten hatten von dem an der Küste des mittleren Brasilien auf dem südlichen Wendekreis gelegenen portugiesischen Stützpunkt Sao Vicente aus - beim heutigen Santos - den von tropischen Regenwäldern überzogenen, zum Teil über 1.000 Meter hohen Steilabfall des Küstengebirges (Serra do Mar) überwunden und in einem Hochbecken in circa 800 Meter über dem Meeresspiegel die erste europäische Siedlungsgründung auf dem Hochland vorgenommen. 1711 ist Sao Paulo auf Grund der strategisch günstigen Lage in der Nähe eines Passes über die Serra do Mar das Stadtrecht verliehen worden. Am 7. September 1822 wurde in Sao Paulo die Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal erklärt.

Sao Paulo blieb bis in die 1870er Jahre relativ unbedeutend, obwohl die portugiesischen Einwanderer teilweise vermischt mit der indianischen Hochlandbevölkerung, im 17. und 18. Jahrhundert von Sao Paulo aus als Bandeirantes ("Bannerträger") weite Teile im zentralen Teil von Brasilien durchstreiften und als Sklavenjäger die berüchtigten Raubzüge zum Fang der Indianer unternahmen, die den Besitzern der Plantagen im Küstentiefland die beim Zuckerrohranbau benötigten Arbeitssklaven beschafften.

Dies änderte sich rasch, als der Anbau von Kaffee, der um 1850 über das Rio Paraiba-Tal die Stadt Sao Paulo erreichte, sich im Hochland von Sao Paulo unter günstigen Klima- und Bodenbedingungen und steigender Kaufkraft in Europa ab den 1880er Jahren flächenhaft in nördliche und nordwestliche Richtung ausdehnte. Hervorragende infrastrukturelle Voraussetzungen für den Kaffee-"boom" schufen die systematische Verkehrserschließung des Binnenlandes im Staate Sao Paulo durch strahlenförmige, von São Paulo auf den Hochebenen zwischen den Zuflüssen des Rio Paraná vorgetriebene Eisenbahnlinien und die günstige Verkehrslage zum nahen Exporthafen Santos.

Eine gezielte betriebene Einwanderungspolitik, die überwiegend Italiener ins Land brachte, trug dazu bei, daß trotz der Befreiung der Sklaven 1888 die auf den Kaffeeplantagen benötigten Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Über eine Million Italiener wanderten zwischen 1886 und 1905 ein, die sich vorwiegend auf den Paulistaner Kaffeeplantagen verdingten. In dieser Phase betrugen die jährlichen Wachstumsraten der Bevölkerung in Sao Paulo bis zu 14 Prozent.

Dies alles verhalf Sao Paulo zu erstem Reichtum. Aber erst die Industrialisierung am Ende des 19. Jahrhunderts führte zu dem beeindruckenden Wachstum zur größten Metropole Südamerikas. Die nahe Hafenstadt Santos (schnelle Transportwege) und die Vergabe von Krediten brachten Sao Paulo neueren Reichtum. Die Metallindustrie in allen Facetten ist auch heute noch der Kernbereich.

Durch die Globalisierung, erhöhte Wechselkurse und die aufstrebende Industrie im gesamten Land verliert Sao Paulo aber immer mehr an Bedeutung. Die Industrie wird aber mehr und mehr vom Dienstleistungsgewerbe abgelöst. Dieser Sektor kann die Arbeitslosen aus der Industrie aber nicht abfangen. Die Folge dessen sind Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne. Wie viele Großstädte in Entwicklungsländern ist auch Sao Paulo von einem Armutsgürtel mit Marginalsiedlungen, den sogenannten Favelas, umgeben und hat besonders dort eine hohe Kriminalitätsrate.

Sao Paulo wird heute in Brasilien aber auch als die führende Stadt im Hinblick auf Konzerte, Theater, Modeshows, internationale Sportveranstaltungen, Konferenzen und Wirtschaftsmessen angesehen; viele Veranstaltungen finden zuerst oder nur dort statt.

Sao Paulo war überwiegend das Ziel von Zuwanderern aus dem Nordosten Brasiliens, wo sowohl der klimatisch trockene Sertão des ländlichen Landesinneren als auch - in einer späteren Phase - die überfüllten und wenig Arbeitsplätze bietenden Städte an der Atlantikküste die Abwanderungsgebiete waren.

Ziel der Binnenwanderung war zunächst der Anbau von Kaffee im Nachbarstaat Paran: Anfang des 19. Jhs. setzte der kommerzielle Kaffeeanbau im Vale do Paraíba ein, dem Tal, welches die heutigen Metropolitanregionen São Paulo und Rio de Janeiro verbindet.

Um die Mitte des 19. Jhs. verlagerte sich der Kaffeeanbau aufgrund der inzwischen eingetretenen ökologischen Degradierung der existierenden Anbauflächen und dem Mangel an neuen Flächen weiter in das Binnenland um Sao Paulo (Dünckmann 2002, S. 36). So war also das Stadtwachstum in jener Zeit eine Folge des sich verlagernden Kaffeeanbaus (Müller 1984, S. 238).

São Paulo kristallisierte sich aufgrund der geographisch günstigen Lage als Handelszentrum heraus (Müller 1984, S.238, Dünckmann 2002, S. 37). Als sich die Kaffeepflanzungen um das nahe gelegene Campinas herum auszudehnen begannen, war es ökonomisch sinnvoller, den Kaffee über Santos zu verschiffen, als durch das Paraíba-Tal nach Rio de Janeiro zu transportieren (Müller 1984, S. 182). Dieser Zeitpunkt stellt die Initialzündung für das (Bevölkerungs-)Wachstum Sao Paulos dar.

Ebenfalls ein Wunschziel der Migranten aus dem Nordosten - später verstärkt der aus dem Südosten - war es, bei der schnell expandierenden Industrieentwicklung oder in der blühenden Baubranche eine Beschäftigung zu finden. Seit den 1980er Jahren trägt das natürliche Wachstum erheblich mehr zum Bevölkerungszuwachs bei als die Zuwanderung. Diese Veränderung ist trotz abnehmender Geburtenraten durch den hohen Anteil jüngerer Stadtbevölkerung bedingt, den die jetzt zurückgehende Einwanderung mit sich gebracht hatte. Seit den 1990er Jahren ist die jährliche Zuwachsrate der Bevölkerung der Agglomeration Sao Paulo, die seit 1973 als Grande São Paulo institutionell verankert ist, sprunghaft zurückgegangen.

Die Metropolregion Grande Sao Paulo umfaßt heute außer der Stadt Sao Paulo als Kernzone 38 weitere Städte mit einer Gesamtfläche von 8.051 Quadratkilometer. Das überbaute Stadtgebiet der Region mit 1.747 Quadratkilometer hat seit den 1980er Jahren um 372 Quadratkilometer zugenommen. Grande Sao Paulo beherbergt im Jahre 2005 mit 19,1 Millionen Menschen, von denen zehn Millionen (= 52 Prozent) in der Stadt Sao Paulo leben, aber auch Städte wie Guarulhos (1.169.601 Einwohner), Sao Bernardo do Campo (743.386 Einwohner), Osasco (677.869 Einwohner) und Santo Andr (662.387 Einwohner), die mehr als 500.000 Einwohner haben, eine größere Bevölkerung als das Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 18,1 Millionen.

Da das Ballungsgebiet Grande Sao Paulo bald über Jundia (321.595 Einwohner) in nördliche Richtung mit Campinas (1.031.573 Einwohner) zusammenwächst, aber auch der durch Luft- und Raumfahrtindustrien militärisch-technologisch wichtige Standort Sao Jose dos Campos (613.776 Einwohner), die Industriestadt Sorocaba (558.874 Einwohner) sowie das Gebiet an der Atlantikküste um die Hafenstadt Santos (411.411 Einwohner) und die Industriekonzentration um ãCubato (118.412 Einwohner) in einem Umkreis von weniger als 150 Kilometer um Grande Sao Paulo liegen, wird heute schon von einer erweiterten Metropolregion (Complexo Metropolitano Expandido, CME) gesprochen, der die Funktion einer Makro-Metropole zukommt.

Die Metropolregion Grande Sao Paulo ist flächenmäßig um circa 60 Prozent größer als die Stadtregion Rhein-Ruhr, übertrifft deren Bevölkerungszahl aber um das vierfache. Während die durchschnittliche Bevölkerungsdichte im Ruhrgebiet bei 1.080 Einwohner je Quadratkilometer liegt, beträgt sie in der Agglomeration von Sao Paulo 2.371 Einwohner je Quadratkilometer, erreicht in der Stadt Sao Paulo 6.580 und in der Stadt Diadema (390.641 Einwohner) den Höchstwert von 12.724 Einwohner je Quadratkilometer.

Vor schwierigste Probleme stellt die Verkehrssituation Sao Paulo. Staus und chaotische Verkehrsverhältnisse, die bei Starkregen zum völligen Zusammenbruch des Straßenverkehrs führen können, sind trotz einer Ringstraße um den alten Stadtkern, großen Straßendurchbrüchen, Straßentunnels und dem Ausbau der großen Ausfallstraßen, an der Tagesordnung.

Der Kraftfahrzeug-Bestand hat sich seit 1975 auf 4,5 Millionen mehr als verdreifacht. 21 Prozent aller in Brasilien und 57 Prozent der im Staat Sao Paulo zugelassenen Fahrzeuge verkehren in der Metropolregion. Rund 2,5 Millionen PKW zirkulieren täglich in diesem Bereich, darunter über 30.000 Taxis. Dazu kommen circa 15.000 Busse mit hohem Schadstoffausstoß, die 73 Prozent der Passagiere im Öffentlichen Nahverkehr befördern.

Die am 14. September 1974 eröffnete U-Bahn - drei Linien mit einer Gesamtstreckenlänge von nur 49 Kilometer - kann nur 22 Prozent, die Vorortbahnen können gar nur 5 Prozent transportieren. Etwa 2,5 Stunden täglich beträgt die durchschnittliche Wegezeit der Beschäftigten in Grande Sao Paulo im Normalfall. Über zwei Stunden kann in der Hauptverkehrszeit die Fahrt vom internationalen Flughafen in Guarulhos zum Stadtzentrum betragen.

Bei der heutigen Verkehrsdichte und einem hohen Anteil von Schwerlastverkehr bringt auch die Einrichtung großer Ring- und Umgehungsstraßen entlang des Rio Tietê im Norden und des Rio Pinheiros im Westen der Stadt mit der völligen Versiegelung der überschwemmungsgefährdeten Uferbereiche keine spürbare Entlastung mehr.

Seit 1867 verbindet die Stadt eine Schienenseilbahn (Sierra Incline) mit dem Seehafen Santos. Im gleichen Jahr bekam Sao Paulo auch Anschluß an die Eisenbahn. Die Strecke Santos – Jundiaí verband die Stadt, die bis dahin durch Flüsse und Gebirgszüge isoliert war, mit der Küste. Dadurch ist die Integration einer der ganz wenigen größeren Städte Lateinamerikas, die nicht an der Küste liegen, in die atlantischen Handelsrouten möglich geworden.

Am 24. März 1872 eröffnete die erste Maultierstraßenbahn. Die ersten elektrischen Straßenbahnen fuhren am 17. Februar 1900 in der Stadt. Der Betrieb wurde am 18. September 1968 eingestellt. Am 22. April 1949 wurde der Trolleybusbetrieb eingerichtet. São Paulo hat gegenwärtig auch den größten Hubschrauberverkehr weltweit.

 

 

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