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Die Hafenstadt Shanghai (chin. Shànghǎai, seltener auch Schanghai, Shanghaiisch: Zanhe), ist die grösste Stadt und die bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China.
In der eigentlichen Stadt - dem geografischen Stadtgebiet - leben 9.327.119 Menschen mit Hauptwohnsitz. Das gesamte Verwaltungsgebiet Shanghais hat 18.101.725 Einwohner (Stand jeweils 1. Januar 2006). Davon sind 13,749 Millionen registrierte Bewohner mit ständigem Wohnsitz und 4,35 Millionen temporäre Einwohner (liudong renkou) mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung (zanzhuzheng). Weitere rund drei Millionen nichtregistrierte Personen leben illegal im Verwaltungsgebiet von Shanghai.
Shanghai ist eine Regierungsunmittelbare Stadt, das heißt sie ist direkt der Zentralregierung unterstellt und ihr Status entspricht dem einer Provinz. Das 6.340,5 Quadratkilometer große Verwaltungsgebiet Shanghais stellt kein zusammenhängendes Stadtgebiet dar, sondern wäre - mit seiner ausserhalb der eigentlichen Stadt dominierenden ländlichen Siedlungsstruktur - eher mit einer kleinen Provinz vergleichbar.
In Shanghai liegt mit über 18 Millionen TEU-Standardcontainern pro Jahr der drittgrößte Hafen der Welt. 2004 wurden dort 380 Millionen Tonnen Waren umgeschlagen. Die Stadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und ein bedeutendes Kultur- und Bildungszentrum mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Theatern und Museen.
Shanghai hat ein subtropisch maritimes Monsunklima mit vier ausgeprägten Jahreszeiten, wobei Frühjahr und Herbst vergleichsweise kurz ausfallen.
Im Winter ist es feuchtkalt, die Temperaturen liegen bei -1 bis 8 Grad Celsius. Gelegentlich gibt es auch deutlich stärkere Fröste. Früher waren diese kalten Temperaturen für die Bewohner südlich des Jangtse sehr unangenehm, weil er die 'Heizlinie' markierte, was heisst, dass südlich des Jangtze nicht geheizt werden durfte. Weil es aber auch dort sehr kalt werden kann, wurde diese Regelung abgeschafft.
In den schwülheißen Sommermonaten werden Temperaturen von durchschnittlich 28 bis 35 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 100 Prozent erreicht. Im Oktober kommt die erste kalte Luft aus dem Norden.
Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 15,3 Grad Celsius. Die Jahresniederschlagsumme liegt bei 1.135 Millimeter, davon fallen 50 Prozent in die Zeit von Mitte Mai bis Mitte September (Flutsaison). In diesem Jahresabschnitt gibt es drei ausgeprägte Regenperioden: Die „Frühlingsregen“, die „Pflaumenregen“ und die „Herbstregen“. Insgesamt fallen durchschnittlich 110 Regentage an. Die günstigsten Reisemonate sind April bis Juni und Mitte September bis November, die ungünstigsten Reisemonate Juli und August, mit Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit bis 100 Prozent. Ausserdem suchen in den Sommermonaten zahlreiche Taifune die Stadt heim.
Tatsächlich fiel die Wahl der Briten nur deshalb auf Shanghai als Vertragshafen, weil die Stadt, wie der Repräsentant der Ostindien-Kompanie, Hugh Lingsey, es formulierte, seit den 1840er Jahren zum „wichtigsten Marktplatz Ostasiens“ geworden war. Nach den Opiumkriegen zogen die Briten 1842 unter dem Vertrag von Nanking in die Stadt ein, bald darauf, 1847, folgten die Franzosen, und diese beiden Mächte richteten die ersten ausländischen Konzessionen in Shanghai ein - die Briten entlang dem Bund und im Gebiet nördlich von Alt-Shanghai, der Chinesenstadt, die Franzosen im Südwesten in der Gegend einer Kathedrale, die ein französischer Missionar 200 Jahre zuvor gegründet hatte. In der Folgezeit bildete sich in der Stadt auch eine grössere jüdische Gemeinde.
1863 kamen die US-Amerikaner, 1895 die Japaner und gliederten ihre eigenen Gebiete der britischen Konzession an, die sich zum so genannten „International Settlement“ ausgedehnt hatte. In einer Reihe von privilegierten Enklaven, die auf unbestimmte Zeit gepachtet waren, fielen Händler unter die Gerichtsbarkeit ihres eigenen Landes, und es gab eigene Polizeikräfte.
Durch die günstige Lage nahe der Haupthandelsroute der großen Seide und Tee produzierenden Regionen entwickelte sich Shanghai bis 1900 zu einem wichtigen Hafen und Industriezentrum, das weitgehend von der „Grünen Gang“, einem berüchtigten, im 18. Jahrhundert von arbeitslosen Seemännern gegründeten Syndikat kontrolliert wurde. Bis zum Beginn der 1920er Jahre hatte es auch die weitverzweigte Unterwelt unter seine Herrschaft gebracht. An Kaufleuten und Kriminellen, die deren strengen Verhaltenskodex missachteten, wurden grausame Exempel statuiert - man trennte ihnen mit einem Messer sämtliche hervorstehende Sehnen durch, bevor man sie im lebendigen Treiben am Straßenrand verenden ließ.
Während des Taiping-Aufstands (1851-1864) flohen viele vor den Massakern in die ausländischen Ansiedlungen und vermehrten die billigen Arbeitskräfte Shanghais, aber auch Bauern wurden vom sichtbaren Reichtum der Stadt angelockt. Es bildete sich das erste städtische Proletariat Chinas heraus, und die erbärmlichen Lebensbedingungen schufen im Zusammenspiel mit immer stärker grassierender Arbeitslosigkeit und der Ausbeutung chinesischer Arbeitskräfte durch die ausländischen Investoren den natürlichen Nährboden für revolutionäre Kräfte. Die Einwohnerzahl auch die wirtschaftliche Bedeutung Shanghais inmitten der verwüsteten Umgebung wuchsen beträchtlich. Auch später beim Boxeraufstand (1900) und dem Sturz des letzten Kaisers (1911) flüchteten viele Menschen in die internationalen Konzessionen.
Mit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1920er Jahre wurde Shanghai eine echte Weltstadt. Anfang des 20. Jahrhunderts erreichte Shanghais Bevölkerungszahl die Millionengrenze. Ab 1918 war die Stadt der Wirkungsort des Revolutionsführers und Staatsmannes Dr. Sun Yat-sen. Der britische Schriftsteller Aldous Huxley hatte 1926 in keiner Stadt je einen solchen Eindruck von einem dichten Morast üppig verflochtenen Lebens wie hier. Shanghai wurde zum Synonym für Sünde, Abenteurertum und Reichtum. Auch der Kommunismus in China fand in Shanghai seine Wurzeln. 1915 begann Chen Duxiu mit der Herausgabe der Zeitschrift 'Jugend', die später unter dem Namen 'Neue Jugend' (Xin Qingnian) grossen Einfluss auf die Bevölkerung ausübte.
Die Chinesen entwickelten zunehmendes Interesse für Politik und erlangten ihr Nationalbewußtsein zurück. Mit dem Versailler Vertrag fielen nach dem Ersten Weltkrieg alle deutschen Besitztümer des Landes an Japan, anstatt an China zurückgegeben zu werden. Dies führte 1919 zur „Bewegung des 4. Mai“. Chen Duxiu war einer der Organisatoren der Proteste. In Shanghai schlossen sich Studenten mit Arbeitern zusammen, Streiks wurden organisiert. Höhepunkt war der Generalstreik am 5. Juni 1919. Im Jahre 1921 gründete sich in Shanghai die Kommunistische Partei Chinas. Die 'ausländischen Imperialisten' wurden zunehmend zum Gegner für die Proteste.
Am 30. Mai 1925 erschossen britische Soldaten in Shanghai demonstrierende Studenten. Die Nationale Revolution wurde ausgerufen. Im Jahre 1927 eroberte die Nationalarmee unter der Führung von Chiang Kai-shek mit Hilfe der Kommunisten die Stadt und unterstellte die chinesische Sektion der Regierung der Kuomintang. Im gleichen Jahr wurden Massenaufstände durch die Regierung brutal niedergeschlagen (Massaker von Shanghai) und innerhalb weniger Wochen über 5.000 Menschen ohne Gerichtsverhandlung exekutiert.
Im Verlauf der Mandschurei-Krise im Jahre 1931 kam es zu einem Boykott japanischer Waren. Am 28. Januar 1932 griff Japan mit etwa 70.000 Soldaten die Stadt an, um den Boykott zu brechen. Vorwand für den Angriff war ein Zwischenfall, bei dem in Shanghai fünf japanische Mönche misshandelt wurden, ein Mönch erlag später seinen Verletzungen. Im Verlauf der Ersten Schlacht um Shanghai hielten die chinesischen Truppen dem Angriff nahe der Küste zunächst stand, mussten dann aber in den folgenden Wochen bis in die Stadt zurückweichen. Der Handelsboykott wurde schliesslich fallengelassen und eine entmilitarisierte Zone um Shanghai eingerichtet. Der Konflikt endete am 31. Mai 1933 mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Tanggu.
Mitte der 1980er Jahre fiel der Entschluss, Shanghai ein weiteres Mal die Vorreiterrolle für die Modernisierung Chinas zuzuweisen, dies führte zu einem enormen Anstieg der Industrieproduktion und der ausländischen Investitionen. 1990 wurde die Wirtschaftssonderzone Pudong gegründet und der Grundstein für einen „Neuen Bund“ gelegt, wo bald das höchste Gebäude der Welt in den Himmel ragen soll. Nirgendwo im Land findet man besser ausgebildete Arbeitskräfte, und die Shanghaier sind bekannt für ihre Fähigkeit, Stil und anspruchsvolle Qualität mit gleichzeitig ausgeprägtem Geschäftssinn und internationalem Denken zu verbinden. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Stadt einen solchen Aufschwung erlebt.
Einige Probleme bleiben jedoch nach wie vor ungelöst, allen voran die hoffnungslose Überbevölkerung und schwere Umweltprobleme wie Smog, Lärmbelastung und die Verschmutzung der Flüsse. 1996 ist Shanghai zu einer der am stärksten umweltgeschädigten Städte weltweit erklärt worden. Shanghai lag auf der Skala der am meisten von Luftverschmutzung betroffenen Städte der Welt auf Platz vier. Eine Renaissance erleben aber auch viele soziale Probleme, von denen gedacht wurde, die Kommunisten hätten sie nach 1949 für immer beseitigt. Arbeitslosigkeit, Drogenmissbrauch und Prostitution weisen ein starkes Wachstum auf.
Der wirtschaftliche Erfolg Shanghais übt auf Millionen Chinesen eine grosse Anziehungskraft aus. Um den Zustrom von Menschen in die Stadt kontrollieren zu können, wird der Zuzug durch ein streng gehandhabtes Melde- und Registrierungssystem für Einwohner mit ständigem Wohnsitz bis in die Gegenwart kanalisiert. Die Einwohnerzahl blieb trotz der Tatsache, dass Shanghai die ökonomisch dominierende Stadt in China war, nach einem schnellen Anstieg in den 1950er Jahren bis in die 1980er Jahre bemerkenswert konstant. Seit Anfang der 1990er Jahre ist wieder ein langsamer Anstieg zu verzeichnen.
Lebten 1957 noch 6,9 Millionen Menschen in der eigentlichen Stadt - dem geografischen Stadtgebiet - sind es 2006 rund 9,3 Millionen. Die Bevölkerungsdichte beträgt dort 16.958 Einwohner je Quadratkilometer. In Berlin sind es zum Vergleich 3.800. Im administrativen Stadtgebiet liegt die Bevölkerungsdichte bei 2.855 Einwohner je Quadratkilometer. Dort leben 18,1 Millionen Menschen. In der zuletzt genannten Zahl ist auch die Bevölkerung der ländlichen Gebiete außerhalb der eigentlichen Stadt mit eingerechnet. Davon sind 13,749 Millionen Bewohner mit ständigem Wohnsitz und 4,35 Millionen temporäre Einwohner (liudong renkou) mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung (zanzhuzheng).
Wer sich länger als drei Tage in der Stadt aufhalten möchte, muss sich bei einer Behörde melden und wird dort registriert. Der Antragsteller erhält dann eine zeitweilige Aufenthaltsgenehmigung für drei Monate, die nach Ablauf der Frist verlängert werden muss. Beim Amt muss eine Bescheinigung vom Heimatort vorgelegt werden, die bestätigt, dass die Person dort gemeldet ist.
Das offizielle Bevölkerungswachstum Shanghais wird zurzeit ausschliesslich durch Zuwanderung gesteuert, denn der natürliche Zuwachs der registrierten Dauereinwohner wird seit mehreren Jahren durch ein Geburtendefizit geprägt, das bislang in allen Städten Chinas einmalig ist. Lag das jährliche natürliche Wachstum der Einwohner mit dauerhaftem Wohnsitz 1957 noch bei etwa 40 Prozent, so sank diese Rate schnell unter zehn Prozent und schliesslich auf einen negativen Wert von -1,9 im Jahre 2000. Das Wachstum 2004 betrug -1,2 per 1.000 Einwohner, Geburtenrate: 6,0 pro 1000 Einwohner, Sterberate: 7,2 per 1000 Einwohner.
In der Zukunft wird die Stadt wieder wachsen, da die Einkindpolitik im April 2004 gelockert wurde: in Shanghai dürfen seitdem Geschiedene und wiederverheiratete Partner Nachwuchs bekommen, auch wenn sie schon ein Kind aus einer früheren Ehe haben. Schätzungen gehen von 10,856 Millionen Einwohnern mit Hauptwohnsitz im Jahre 2010 und 13,25 Millionen im Jahre 2015 aus.
Die jahrzehntelange Vernachlässigung der Infrastruktur und des Wohnungsbaus, aber auch die schnelle Entwicklung in den letzten Jahren haben viele Engpässe für die weitere Entwicklung der Stadt offenkundig werden lassen.
Nach wie vor prekär ist die Versorgung mit Wohnraum, wenn sich auch nach offiziellen Angaben der Stadtregierung die Netto-Wohnfläche pro Kopf in der Zeit zwischen 1957 (drei Quadratmeter) und heute (neun Quadratmeter) verdreifacht hat. Die kommunistische Stadtregierung war keineswegs untätig gewesen, bereits seit Anfang der 1950er Jahre wurden die Wohn- und Lebensverhältnisse in rund 300 Stadtvierteln mit unzureichendem Standard verbessert und viele neue Wohngebiete errichtet.
Trotzdem kam der Bau von Wohnungen dem wachsenden Bedarf aus Mangel an Kapital über Jahrzehnte nur ungenügend nach. Shanghai galt früher in China traditionell als eine der Städte mit grosser Wohnungsnot. Erst seit Beginn der Wirtschaftsreformen fand eine Belebung des Wohnungsbaus statt: Seit Anfang der 1980er Jahre wurde die gesamte Wohnfläche in Shanghai mehr als verdoppelt. Die Verbesserung des Angebots an Wohnraum war verbunden mit einer begrenzten Wohnungsreform, die unter anderem durch Förderung des Wohnungseigentums und die Einrichtung von öffentlichen Akkumulationsfonds die Investitionsmittel zu vergrössern suchte.
So sank der Anteil von Haushalten in akuter Wohnungsnot, das heisst mit weniger als vier Quadratmetern Wohnfläche pro Kopf bis heute auf knapp unter zehn Prozent aller Haushalte. In Shanghai sind es vor allem die Altstadtviertel, die zudem von zahlreichen Industriebetrieben durchsetzt sind, in denen immer noch sehr beengte Wohnverhältnisse herrschen. Da der Baugrund in den älteren Wohngegenden im Stadtzentrum sehr teuer ist, hat die Stadtregierung den Grund und Boden teilweise an ausländische Investoren verkauft, die Büro- Geschäfts- und Hotelkomplexe errichteten.
Als Folge dieser Praxis kam es in Verbindung mit zahlreichen Verkehrsprojekten zu grossflächigen Sanierungen in der Altstadt und Zwangsumsiedlungen von mehreren Hunderttausend Menschen in Neubausiedlungen am Stadtrand mit unzureichender Infrastruktur. Die genannten Wohnungsdaten beziehen sich nur auf die Bewohner mit Hauptwohnsitz in Shanghai, die Wohnsituation der rund 4,7 Millionen Einwohner mit beschränkter Aufenthaltsgenehmigung ist deutlich schlechter. Zahlreiche Migranten, überwiegend frühere Bauern aus den ländlichen Regionen Chinas, leben auf den Baustellen, in einfachen Betriebs-Wohnheimen oder sie mieten sich einen Raum bei Bauern an der Peripherie der Stadt. Ein großer Teil der temporären Einwohner lebt am Stadtrand, weil dort eher Platz für selbstgebaute Hütten vorhanden ist und die Polizeikontrollen weniger scharf sind. Slumhänliche Siedlungen sind seit den 1990er Jahren auch in Shanghai zu finden.
Die Bedeutung der Migranten für die Wirtschaft und das Leben in Shanghai wird unterschiedlich beurteilt. Einerseits sind die Zuwanderer fast unentbehrlich als Bauarbeiter, Handwerker, Kleinhändler oder Arbeiter bei der Strassenreinigung und in den Textilfabriken, andererseits wird ihr Druck auf den Wohnungsmarkt, die Infrastruktur und ihr Anteil an kriminellen Delikten in der Stadt mit Sorge betrachtet.
Die Restaurantszene der Stadt erfährt zahlreiche Veränderungen. In den letzten Jahren wurden neue raffinierte und vornehme Lokale eröffnet. Dem Gast bietet sich eine große Auswahl an Restaurants, die indische, koreanische, öfranzsische oder eine andere Küche anbieten. Die chinesische Küche der Stadt bildet hier keine Ausnahme.
Ein Wiederaufleben des Shanghai Chic der 1930er Jahre brachte viele elegante, moderne Lokale mit sich, die Hausmannskost aus Shanghai servieren. Des Weiteren gibt es zahlreiche kantonesische Restaurants, die durchaus mit jenen in Hongkong konkurrieren können und ausgezeichnetes Essen in stilvoller Umgebung bieten.
Die Shanghai-Küche beinhaltet viel frischen Fisch, Schalen- und Krustentiere. Charakteristisch ist eine Kochtechnik, die heute in ganz China praktiziert wird: das Rotkochen. Aus einer dunklen Soja-Sauce und Reiswein wird ein Fond bereitet, in dem das Gargut (Fisch, Fleisch oder Geflügel) mehrere Stunden köchelt. Ein klassischer Begleiter zu allen Mahlzeiten ist Reis. Spezialitäten aus Shanghai sind zum Beispiel „Shanghai Crab“ (knusprig gebratene Garnelen), Aal in Öl, „Tausendjährige Eier“ (schwarze Eier, Föhrenblüteneier), Rindfleisch „Quilin Ganshao Niu“, raffiniert gewürzt und angerichtet, die „Acht-Juwelen“-Cilipaste, Krabben mit Seegurken und der geröstete Mandarinfisch.
Empfehlenswert sind auch Shanghai-Ravioli, mit Schweinefleisch gefüllt und zuletzt grilliert, damit das weiche Innere mit dem knackigen Boden kontrastiert sowie Karpfen-Schwanz „Qingyu Shuaishui“, Caotou-Gemüse „Shengbian Caotou“, Kieferkern mit Maiskolben „Songren Yumi“, Reisklöße mit süßer Füllung „Gedan Yuanzi“, Reismehl-Gebäck „Canglangting Sijigao“, Bootskuchen „Lübolang Chuandian“ und in Bambus- oder Schilfblätter eingewickelte Reisklöße „Qiaojiapeng Zongzi“.
Vom Bund führen die Hauptgeschäftsstraßen der Stadt nach Westen durch das Zentrum Shanghais, darunter auch eine der beiden großen Einkaufsstraßen, die Nanjing-Straße (Nanjing Lu), begleitet von zwei wichtigen, parallel dazu verlaufenden Verkehrsadern, der Fuzhou-Straße und der Yan'an-Straße. Zu Zeiten der ausländischen Konzessionen galt die Nanjing-Straße als eine Mischung aus Broadway und Oxford Street, und selbst nach 1949 behauptete sie sich als ein Mittelpunkt des Theaters und Kinos und blieb eine der belebtesten Einkaufsstraßen der Welt.
Grelles Neonlicht und eindrucksvolle Schaufenster mit Luxusartikeln und Waren aus dem Ausland beherrschen wie eh und je den östlichen Abschnitt, die Nanjing Dong-Straße. Wie keine andere Straße auf dem chinesischen Festland ähnelt sie mit ihren vielen Restaurants, Boutiquen, Kinos, Hotels und vor allem riesigen Kaufhäusern dem Zentrum Hongkongs. Vor 1949 gab es dort und auch in der Fuzhou-Straße zahlreiche Teehäuser, die gleichzeitig als exklusivste Bordelle der Stadt fungierten. Geisha-ähnliche shuyu (singende und Geschichten erzählende Mädchen) gingen von Teehaus zu Teehaus, um Szenen klassischer Theaterstücke und Opern aufzuführen und Gäste zu bewirten.
Nordöstlich des Volksparks steht an der kreisrunden Straßenüberführung an der Kreuzung Nanjing und Xizang-Straße das prachtvollste Kaufhaus der Gegend, das altehrwürdige „Kaufhaus Nr. 1“, das frühere Kaufhaus Sun. Dieser zweitgrößte Konsumtempel des Landes wird täglich von 100.000 Chinesen besucht, viele davon kommen vom Land und wagen sich das erste Mal nach Shanghai. Das größte Einkaufsgebäude in Shanghai ist zugleich auch das größte in Asien, die Super Brand Mall. Sie liegt zentral in Pudong in der Nähe vom Jin Mao Building und dem „Oriental TV Tower“.
Die Stadt ist seit langem eines der führenden Zentren der Textilherstellung in der Volksrepublik China. Weitere bedeutende Produktionszweige sind unter anderem die Herstellung von chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen, Fahrzeugen (vor allem Schiffe), Maschinen, Stahl, Papier und Druckereierzeugnissen. Darüber hinaus werden in großem Umfang elektrotechnische und elektronische Anlagen und Geräte wie zum Beispiel Computer, Radios und Kameras angefertigt. In Shanghai findet auch die Weltausstellung (Expo) 2010 statt.
Mit Beginn der chinesischen Wirtschaftsreformen Anfang der 1980er Jahre wurde Shanghai zunächst von den südlichen Provinzen, wie zum Beispiel Guangdong überflügelt. Mit Beginn der 1990er Jahre ist von der chinesischen Regierung unter Jiang Zemin heftig in Shanghai investiert worden, mit dem Ziel ein neues Wirtschaftszentrum in Ostasien zu gründen.
Shanghai und Hongkong sind Rivalen um den Rang der grössten Wirtschaftsmetropole in China. Hongkong hat hier den Vorteil der längeren Erfahrung, besonders im Bankwesen. Shanghai hat engere Verbindungen zum chinesischen Hinterland und zur Zentralregierung in Peking. Gleichzeitig steht in Shanghai mehr Raum für Neuinvestitionen zur Verfügung, während in Hongkong der Platz eher begrenzt ist.
1990 wurde in Shanghai die öBrse Shanghai gegründet, sie stellt heute die wichtigste Börse auf dem chinesischen Festland dar. Seit 1991 ist das Wirtschaftswachstum in Shanghai zweistellig. Damit ist die Stadt die einzige Region in China, die dies erreicht. Das jährliche Wirtschaftswachstum in Shanghai beträgt zurzeit etwa zwölf Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2004 betrug 89,76 Milliarden US-Dollar. Das BIP pro Kopf lag bei über 6.000 US-Dollar und war nach Hongkong und Macao das dritthöchste des Landes.
1984 wurde in Anting von Volkswagen als Joint-Venture die erste Autofabrik mit „westlichen“ Fahrzeugen gebaut. Shanghai Volkswagen hatte einen Marktanteil von circa 60 Prozent in China, der aufgrund zunehmender Konkurrenz stetig sinkt. Die hohen Importzölle auf Autos aus dem Ausland machen diese jedoch noch teurer. Nach dem WTO-Beitritt der Volksrepublik China anlässlich der APEC-Konferenz 2001 wurden stufenweise die Importzölle gesenkt.
Zur Zeit sind über 50.000 Ausländer in der chinesischen Industrie- und Handelsmetropole Shanghai tätig; abgesehen von den etwa 300.000 Taiwanern. Diese ausländischen Arbeitnehmer kommen hauptsächlich aus Japan, den USA, Südkorea, Singapur, Deutschland (mit über 7.000), Frankreich und Kanada. Die meisten von ihnen arbeiten in Unternehmen mit auswärtigem Kapital oder in ständigen auswärtigen Vertretungen.
Als Zentrum riesiger Ölraffinerien, Chemiefabriken und Hüttenwerke hat Shanghai unter großer Umweltverschmutzung in Form schwefelhaltiger Rauchwolken zu leiden, die die Betriebe unablässig ausstoßen. Ungefähr vier Millionen Tonnen ungefilterter Industrie- und Haushaltsabwässer ergießen sich täglich in den Huangpu, die wichtigste Trinkwasserquelle der Stadt, und der Suzhou-Kanal ist nur noch eine schwarze, übelriechende Kloake. Ein Problem ist auch die Arbeitslosigkeit, die in Shanghai höher als in anderen Grossstädten des Landes ist.
Die Stadt verdankt einen überwiegenden Teil ihrer wirtschaftlichen Bedeutung den ausgezeichneten Verkehrsverbindungen. Shanghai ist wichtigster Eisenbahnknotenpunkt mit guten Verbindungen in den Norden und Süden des Landes. Der Hauptbahnhof liegt nördlich des Suzhou-Kanals. Weit ab im Nordwesten der Stadt befindet sich der Westbahnhof von Shanghai, an dem einige Fernzüge ihren Zielbahnhof erreichen, darunter der Zug aus der Inneren Mongolei.
Der Hafen hat eine Verbindung zum Kaiserkanal und ist Umschlagplatz für den Grossteil des chinesischen ßAuenhandels sowie den Küstenhandel. Die Stadt durchzieht ein dichtes Kanalnetz.
Der neue, 1999 am Nationalfeiertag eingeweihte Flughafen Shanghai Pudong International liegt 45 Kilometer östlich der Stadt an der Mündung des Jangtse. Über ihn werden fast alle internationalen Flüge abgewickelt. Der alte und wesentlich kleinere Flughafen Hongqiao liegt 15 Kilometer westlich der Stadt und bleibt für Inlandsflüge geöffnet.
Am 31. Dezember 2002 startete der in Kooperation mit Deutschland gebaute Transrapid (eine Magnetschwebebahn) seine Jungfernfahrt zum Flughafen Pudong. Die Baukosten betrugen etwa 1,2 Milliarden Euro. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 431 Kilometer pro Stunde. In China heißt der Transrapid allerdings Maglev. Pudong und der alte Flughafen Hongqiao werden beide von der Shanghai Airport Group betrieben.
Die Jangtse-Boote und Küstenschiffe nach Ningbo, Wenzhou sowie vom Putuo Shan passieren den Bund auf ihrem Weg vom Shiliupu-Pier im Süden. Die Küstenschiffe nach Qingdao, Dalian und Fuzhou nutzen den Gongping-Lu-Pier, der vom Bund aus in nordöstlicher Richtung liegt. Die Schiffe aus Japan und Südkorea legen am internationalen Passagierterminal, östlich des Pujiang Hotel, an.
Angesichts der Zunahme der Bevölkerung und der intensiveren wirtschaftlichen Aktivitäten der Stadt wurden zu Beginn der 1990er Jahre umfangreiche Bauarbeiten eingeleitet. Im Rahmen dieser Arbeiten sind unter anderem eine sechsspurige Hochautobahn und neue Brücken gebaut worden. Am 10. April 1995 wurde der erste, 16,1 Kilometer lange Abschnitt der U-Bahn Shanghai eingeweiht. Momentan verkehren drei U-Bahn-Linien im Zentrum Shanghais. Während Linie 1 in Nord-Süd und Linie 2 in Ost-West-Richtung verkehrt, umkreist die Hochbahn Linie 3 das erweiterte Zentrum der Stadt. Bis 2020 ist ein Ausbau des Netzes auf 300 Kilometer Länge geplant.
Ebenfalls im Aufbau ist ein Strassenbahnnetz mit einer Länge von 120 Kilometern. In Shanghai befindet sich auch das älteste durchgehend in Betrieb befindliche Trolleybusnetz der Erde, gleichzeitig eines der grössten in China. Es wurde am 15. November 1914 eröffnet. Die überall verkehrenden Stadtbusse sind überfüllt, vor allem im morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr. Sie kommen angesichts der verstopften Strassen nur extrem langsam voran und nur wenige Linienstrecken führen durch die ganze Stadt.
Am 8. Juni 2003 begann man mit dem Bau der mit 36 Kilometer Länge längsten Brücke der Welt im Süden der Stadt. Das Investitionsvolumen beträgt 11,8 Milliarden Renminbi Yuan, entsprechend 1,42 Milliarden US-Dollar. Die sechsspurige Brücke wird nach ihrer Fertigstellung im Jahre 2008 die Hangzhou-Bucht überspannen und Shanghai mit Ningbo in der Provinz Zhejiang verbinden. Die Öffnung für den Verkehr ist für 2009 geplant.
Ein nicht unerhebliches Problem des Strassennetzes ist, dass die Stadt insgesamt 838 leicht zu verwechselnde oder sogar identische Strassennamen hat. Die Strasse Yucai (wörtlich übersetzt Gelehrte heranziehen) gibt es sogar 10mal. Dieses Problem existiert im Wesentlichen seit 1958, als zehn Landkreise der Nachbarprovinz Jiangsu eingemeindet wurden. Bis September 2006 soll dieses Problem durch Umbenennungen der Strassen gelöst werden, wodurch 20.000 Schilder ausgewechselt werden und 36.000 Bürger ihre Dokumente ändern lassen müssen.
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