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Osttimor (offiziell Demokratische Republik Osttimor) ist ein Inselstaat in Südostasien und besteht aus der Osthälfte Timors, den Inseln Atauro und Jaco sowie der Exklave Oecussi-Ambeno. Der offizielle Name ist Timor-Leste, portugiesisch für Osttimor. In der amtlichen Tetum-Sprache heißt Osttimor auch Timor Lorosa'e.
Etymologie
Das Wort Timor kommt aus dem Malaiischen und bedeutet "Osten". Leste ist portugiesisch und heißt ebenfalls "Osten". In der amtlichen Tetum Sprache ist Timor-Leste auch als Timor Lorosae, im Deutschen allgemein als Osttimor bekannt. Der offizielle Name des Staates ist Timor-Leste. In Indonesien wird die Insel auch Timor Timur genannt, der Name wird gewöhnlich mit Tim-Tim abgekürzt.
Geographie
Die Insel gehört zum östlichen Teil des indonesischen Archipels und zu den Kleinen Sunda-Inseln. Im Nordwesten der bergigen Insel befindet die Sawusee, nördlich die Bandasee und südlich dehnt sich die Timorsee 500 Kilometer bis nach Australien aus. Die höchste Erhebung Osttimors ist der Mount Tatamailau mit 2,963 Metern.
Das lokale Klima ist tropisch, im Allgemeinen heiß und schwül und wird von einer ausgeprägten Regen- bzw. Trockenzeit charakterisiert.
Die größte Stadt ist die Hauptstadt Dili, die zweitgrößte das östlich davon gelegene Baucau.
Geschichte
Seit dem 14. Jahrhundert gehörte Timor zu dem hinduistisch geprägten altindonesischen Majapahit-Königreich. 1586 werden große Teile Timors zu einer portugiesischen Kolonie (Portugiesisch-Timor). Der westliche Teil der Insel Timor wurde ab dem 17. Jahrhundert der niederländischen Kolonie Niederländisch Ostindien zugesprochen und gehört seit der Unabhängigkeit 1946 zu Indonesien.
Die katholische Kirche verfügte durch ein Konkordat von 1940 über ein Erziehungsmonopol. Im Zweiten Weltkrieg wird Timor von den Japanern besetzt. Im Kampf gegen die dort stationierten australischen und niederländischen Soldaten verlieren bis zu 60.000 Menschen ihr Leben. 1951 wird Osttimor der Status eines portugiesischen Überseegebietes zugesprochen. 1972 wird es zur autonomen Region der Republik Portugal, somit erhalten die Einwohner eine gewissermaßen eingeschränkte portugiesische Staatsbürgerschaft.
Die Nelkenrevolution im April 1974 beendete die Militärdiktatur in Portugal und ermöglichte die Dekolonialisierung von Osttimor. Nach zweiwöchigen gewalttätigen Auseinandersetzungen im August 1974 zwischen der FRETILIN, welche die Unabhängigkeit Osttimors forderte und der UDT, die weiterhin eine Bindung zu Portugal anstrebte, konnte sich die besser ausgerüstete Fretilin durchsetzen. Am 28. November 1975 wurde die Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Osttimor ausgerufen.
Diese war jedoch nur von kurzer Dauer. Wenige Tage später begann die indonesische Regierung mit Billigung der USA mit der Invasion Osttimors. Dabei kam es zu Massenmorden und Vergewaltigungen, wodurch bis Ende Februar 1976 60.000 Timoresen ums Leben kamen. Die indonesische Regierung gab am 13. August 1976 in Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens die sofortige Annexion der portugiesischen Überseeprovinz Osttimor bekannt. Dieses widerrechtliche Unterfangen wurde von der UN nie anerkannt. Die UN-Resolution 384 forderte ausdrücklich den Abzug der indonesischen Truppen aus diesem Gebiet der Insel. Mitte Dezember 1976 wurde eine provisorische Marionettenregierung eingesetzt.
Politik
Der Präsident von Osttimor wird alle fünf Jahre gewählt und hat eher symbolische Befugnisse, er besitzt aber ein Vetorecht bei der Gesetzgebung. Nach den Parlamentswahlen bestimmt der Präsident einen Premierminister, der die Mehrheit einer Partei oder Koalition hat. Als Kopf der Regierung sitzt er dem Kabinett vor.
Das Parlament (Parlamento Nacional) umfasst mehrere Kammern. Seine Mitglieder werden alle fünf Jahre in freien Wahlen bestimmt. Die Anzahl der Sitze kann zwischen 52 und 64 variieren. Während der laufenden (2005) Wahlperiode wurden ausnahmsweise 88 Sitze vergeben, weil es die erste Regierungszeit überhaupt ist. Die Verfassung wurde nach portugiesischem Vorbild entwickelt.
Als ersten Präsidenten wählten die Timoresen mit überwältigender Mehrheit Xanana Gusmao. Der frühere Chef der Befreiungsbewegung FRETILIN, die ihrerseits die meisten Sitze im Parlament errang, wird als eine Art Volksheld verehrt. Nachdem die Eigenstaatlichkeit Osttimors als großes Ziel erreicht war, wollte sich Gusmao eigentlich aus der aktiven Politik zurückziehen, stellte sich dann aber doch den vielen Bitten, weiter eine verantwortungsvolle Position einzunehmen. Als Staatsoberhaupt hat er sich vor allem dem Versöhnungsgedanken verschrieben. Nur eine Normalisierung der Beziehungen zur früheren Besatzungsmacht Indonesien und ein gewisser Schlußstrich unter die Vergangenheit, so seine Überzeugung, können das bitterarme und durch die lange Fremdherrschaft rückständige Land in die Zukunft führen. Anfang 2005 empfing er den im Vorjahr neugewählten indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono zu einem Staatsbesuch. Das Treffen der beiden Männer verlief außergewöhnlich herzlich und wurde als Neuanfang in den bilateralen Beziehungen gewertet.
Wirtschaft
Vor und während der Kolonialzeit war Timor für sein Sandelholz bekannt.
Bis Ende 1999 wurden ungefähr 70% der ökonomischen Infrastruktur durch proindonesiche Milizen und Militärs verwüstet und über 260.000 Menschen waren gezwungen, nach Westen zu fliehen. Während der folgenden 3 Jahre wurde das Gebiet mit einem massiven internationalen Hilfsprogramm unter Führung der UN wieder aufgebaut. Das Programm umfasste Zivile Beobachter, eine 5000 Mann starke Friedenstruppe und 1300 Polizisten. Bis Mitte 2002 sind fast alle der 50.000 Flüchtlinge wieder zurückgekehrt. Das Land steht noch immer vor der großen Herausforderung des Aufbaus der Infrastruktur und der Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bevölkerung.
Ein vielversprechendes Projekt könnte die Nutzung von Erdgas und Erdöl sein. In der indonesischen Besatzungszeit wurde ein Ölfeld in der Timorsee zwischen Timor und Australien entdeckt und am 11. Dezember 1989 ein Vertrag zwischen den Regierungen Indonesiens und Australiens geschlossen. Aber erst im Mai 2004 hat die australische Regierung die Gültigkeit des Vertrages in einer Form bestätigt, die die Seegrenze und damit auch die Rohstoffe zu Gunsten Australiens verschoben hat.
Eine Fährgesellschaft hat inzwischen mit deutscher finanzieller Unterstützung eine ständige Verbindung zu der Enklave Oecussi hergestellt und ein Mobilfunkunternehmen hat ein GSM Netz aufgebaut.
Bevölkerung
Fast alle Einwohner Osttimors sind katholischen Glaubens (97 Prozent). Es gibt Minderheiten von Protestanten, Muslimen und Buddhisten. Der animistische Glauben ist weitgehend verschwunden. Allerdings tauchen animistische Elemente im katholischen Ritus auf.
Die katholische Kirche war während der portugiesischen Kolonialherrschaft auf die Hauptstadt Dili und wenige größere Orte beschränkt. Während des Freiheitskampfes gegen Indonesien wurde die katholische Kirche jedoch zur einigenden Klammer zwischen den 15 größeren Stammesverbänden gegen die überwiegend muslimischen Indonesier. In keinem anderen Land der Erde hat die katholische Kirche einen derart großen Zuwachs erreicht. Sie verdankt das auch dem Bischof Ximenes Belo, der für sein Eintreten für die Freiheit Osttimors den Friedensnobelpreis erhielt.
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