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Wilna (litauisch Vilnius ist die Hauptstadt Litauens und des Distrikts Wilna (Vilniaus Apskritis) mit 541.600 (2003) Einwohnern. Sie liegt an der Mündung der Vilnia in die Neris, nur etwa 40 km von der weißrussischen Grenze entfernt.
Wilna ist katholischer Erzbischofssitz und seit 1579 Universitätsstadt. Im Juni 2005 wird die Europäische Humanistische Universität von Minsk nach Wilna übersiedeln und hier als vorläufige Exiluniversität geführt.
Entsprechend ihrem multiethnischen und multikulturellen Charakter ist die Stadt Wilna unter verschiedenen Namen bekannt. Die Litauer (die heute die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung darstellen) nennen sie Vilnius; dieser Name setzt sich allmählich auch in anderen Sprachen durch. Auf Polnisch heißt sie Wilno, auf Weißrussisch/Wilnja, auf Jiddisch Wilne, auf Russisch schließlich hieß sie ursprünglich Wilna, wurde ab der sowjetischen Zeit aber nur noch als/Wilnjus bezeichnet.
Bevölkerung
Bis zum Zweiten Weltkrieg war das damals zu Polen gehörende Wilna eine mehrheitlich von Polen und einer großen jüdischen Bevölkerungsgruppe bewohnte Stadt. Heute wohnen im Umland von Wilna immer noch sehr viele Polen. Allerdings bilden aus dem Raum Kaunas zugewanderte Litauer in der Stadt inzwischen die dominierende Volksgruppe. Im Jahr 2001 zählte Wilna 542.287 Einwohner. Davon machten Litauer 57,8 % aus, Polen 18,7 %, Russen 14 %, Weißrussen 4 %, Juden 0,5 %, Vertreter anderer Nationalitäten 5%.
Bevölkerungsgeschichte
Bis zum Zweiten Weltkrieg war die Stadt mehrheitlich von Polen besiedelt. Als im Sommer 1941 die deutschen Wehrmachtstruppen nach Litauen vorstießen, fielen viele, insbesondere die jüdische Bevölkerung den Nationalsozialisten zum Opfer. In der Altstadt wurden zwei Ghettos eingerichtet, von denen das kleinere bis zum Oktober 1941 bereits wieder liquidiert wurde, was für mehrere Zehntausend Juden den Tod durch Erschießung im Wald von Paneriai (etwa 10 km westlich der Altstadt) bedeutete. Das zweite Ghetto bestand bis 1943, wobei verschiedene so genannte Aktionen auch hier eine weitere Dezimierung der jüdischen Bevölkerung zur Folge hatten. Die verbliebenen Juden wurden in Konzentrationslager deportiert und dort ermordet. Nachdem im Nachkriegs-Wilna noch mehrere Tausend Juden (v.a. zugewandert aus anderen Teilen der Sowjetunion) gelebt haben, sind sie durch die Auswanderung nach Israel und in die USA heute auf eine kleine Minderheit geschrumpft. Dagegen leben in Wilna und vor allem in der ländlichen Umgebung weiterhin viele Polen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg der Übersiedlung nach Polen widersetzt haben (siehe auch Absatz Bevölkerung).
Nach der Unabhängigkeit Litauens von der Sowjetunion entwickelte sich das heutige Wilna innerhalb von 10 Jahren von einer sowjetischen in eine Stadt westlich-kosmopolitischen Stils.
Die Wahrzeichen der Stadt sind die Ruine der Burg von Gediminas auf dem gleichnamigen Hügel aus dem 14. und 15. Jh., sowie an ihrem Fuße die klassizistische römisch-katholische Kathedrale Sankt Stanislaus mit ihrem etwas abseits stehenden Glockenturm.
Ausgehend vom Burgberg bildet das Straßennetz der Altstadt von Wilna in Richtung Westen und Süden eine fächerartige Struktur. Die Altstadt, die sich an den Hängen auf dem linken Ufer der Neris hochzieht, hat eine Fläche von 360ha und zählt damit zu den größten und besterhaltenen Europas; seit 1994 zählt sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Viele Baustile hinterließen ihre Spuren, vor allem prägen sie der Barock, aber auch Gotik und Renaissance. Sehenswert sind die St. Annen-Kirche (Šv. Onos), ein gotisches Backsteingebäude zusammen mit der ebenfalls gotischen Bernhardiner-Kirche, die barocke Universitätsanlage mit der Johannes-Kirche (Šv. Jono).
Bekannt sind auch die barocke St. Kazimir-Kirche (Šv. Kazimiero), welche dem Nationalheiligen geweiht ist, und das Tor der öMorgenrte (Aušros vartai). Das alte Rathaus wurde wie die Kathedrale zuletzt in klassizistischem Stil umgebaut. Eine der wenigen alten Kirchen außerhalb der Altstadt ist die von dem polnischen Ritter Sapiega gestiftete St. Peter-und-Paul-Kirche (Šv. Petro ir Pavilo), ein Meisterwerk des Barock. Diese Kirche, wie auch das Bild der wundertätigen Madonna in den "Aušros vartai", ist ein wichtiges Pilgerziel, vornehmlich für polnische Katholiken. Von den einstmals 96 Synagogen in Wilna ist eine einzige aus dem Jahr 1894 übrig geblieben. Interessant ist außerdem der oberhalb der Altstadt wunderschön gelegene Rasųu-Friedhof, wo zahlreiche prominente Litauer und Polen (Jozef Pilsudski) begraben sind, sowie der zentrale Markt auf dem nördlichen Ufer der Neris.
Romantisch und kleinstädtisch verträumt präsentiert sich das am rechten Ufer des Flüsschens Vilnele gelegene Stadtviertel Užupis (deutsch: Hinter dem Fluss), das seit Anfang der Neunziger vom unbeachteten Winkel zu einem Künstlerviertel (in unmittelbarer Nähe der Kunstakademie "Dailėes akademija") wurde und nunmehr auch eine exquisite Adresse darstellt. Wilna ist im Ganzen eine wenig metropolitan wirkende Stadt mit viel Grün, das sich bis ins Zentrum zieht.
Auf dem der Altstadt und dem Zentrum (Bebauung rund um den zentralen Gediminas-Prospekt ab der Jahrhundertwende) gegenüber gelegenen Ufer der Neris haben sich in den letzten Jahren die ersten Ansätze für ein modernes Büro- und Geschäftsviertel gebildet, mit dem Wilna zu einem Anziehungspunkt nicht nur für Touristen werden will. Bislang verlief die Entwicklung mehr oder weniger auf Brachflächen, in absehbarer Zeit werden aber die ärmlichen Holzhaus-Siedlungen, die sich unmittelbar nördlich anschließen, weichen müssen.
Umgebung von Wilna
Eine moderne Sehenswürdigkeit ist der Fernsehturm, der 326 m hoch ist und in 190 m Höhe über eine Aussichtsplattform verfügt.
Etwa 30 km westlich von Wilna liegt Trakai, die mittelalterliche Hauptstadt Litauens mit seiner wieder aufgebauten Wasserburg.
Nördlich von Wilna im Dorf Purnuskes befindet sich der Europapark. Dort soll der geografische Mittelpunkt Europas (lit. Europos centras) liegen. Diese Berechnung französischer Wissenschafter um 1790 ist allerdings wegen fraglicher Gewichtung von Inseln umstritten. Die Mehrzahl der Geowissenschafter setzt den Mittelpunkt in der [Ukraine]] nahe der Grenze zur Slowakei an.
Verkehr
Die litauische Hauptstadt liegt verkehrstechnisch auf Grund seiner Nähe zur stark abgesicherten EU-Außengrenze zu Weißrussland in einer Art „totem Winkel“. Die Korridorzüge von Russland über Weißrussland nach Kaliningrad (s.u.) erlauben keinen Zu- oder Ausstieg in Wilna, obwohl sie den Bahnhof passieren. Die wichtigsten Verkehrströme vom Baltikum in die restliche EU verlaufen über Kaunas. Von dort führt eine Schnellstraße ins 100 Kilometer entfernte Wilna.
Flugverkehr
Die Stadt Wilna verfügt über einen internationalen Flughafen. Mittlerweile hat verstärkte Konkurrenz zu günstigen Preisen (in die Hauptstädte Europas für unter 150 €) geführt, im deutschsprachigen Raum werden täglich Frankfurt/Main, Berlin und Wien, außerdem auch Hamburg und München angeflogen.
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